Die NGZ berichtete in ihrer Wochenendausgabe vom 08.04.2000 in mehreren Artikeln über den Stadtteil Erfttal: "Wir in Erfttal". Drei Berichte dieser Artikelreihe werden wie folgt vorgestellt:
Landsmannschaft deutsch-russischer Aussiedler und Kontakt Erfttal wollen Problemen entgegenwirken: Über die Sprache Kontakte finden

Sie kommen aus weiter Ferne und finden oft keinen Anschluss in ihrer neuen Heimat. An wen sie sich wenden können, wissen sie nicht, und letztendlich scheitert der Integrationsversuch oft schon im Ansatz. Isolation, Arbeitslosigkeit und nur wenig Aussichten auf eine bessere Zukunft werden schnell zur Alltäglichkeit. Die Rede ist von deutsch-russischen Aussiedlern, für die sich die Hoffnung des Kulturwechsels häufig als Hoffnungslosigkeit erweist.
Um diesem Problem entgegenzuwirken, machen sich seit einiger Zeit zwei Organisationen stark. Die Landsmannschaft deutsch-russischer Aussiedler und der Kontakt Erfttal versuchen, in enger Zusammenarbeit eine Plattform zu schaffen, die den Aussiedlern bei der Integration in die neue und fremde Umgebung helfen soll. "Der erste Schritt muss darin liegen, dass wir die Aussiedler zusammenführen, denn oft sind sie gar nicht organisiert und wissen nicht, um die Möglichkeiten unseres Verbandes. Ist dies getan, so können wir ihre Problem auch in Angriff nehmen", erklärt Alexander Kühl, Mitglied der Landsmannschaft. Gelegenheit, von ihren Problemen zu erzählen, soll da eine Beratungsstelle im Bürgerzentrum Erfttal geben. "Hier können die Aussiedler sich an uns wenden und um Rat fragen". Eine wesentliche Hürde bei der Integration ist für die Aussiedler aber auch die deutsche Sprache. "Viele haben wegen ihrer sprachlichen Defizite nicht den Mut, unter Menschen zu gehen. So verharren sie lieber zu Hause, da sie sich für ihr Deutsch schämen. Aber ohne Kommunikation keine Integration", weiß auch Alexander Kühl. Aus diesem Grund hat die Landsmannschaft nun einen Cafétreffpunkt eingerichtet, wo sich Deutsche und Aussiedler Mittwoch Nachmittags zu einem Plauderstündchen treffen können. "Gleichzeitig sollen die Aussiedler organisatorische Aufgaben im Cafétreffpunkt übernehmen. "Denn dies ist ja schon ein erster Schritt in Richtung Integration", so Alexander Kühl. In dieser Hinsicht formuliert sich auch ein Freundeskreis, den die Landsmannschaft vor kurzem ins Leben gerufen hat. "Hier streben wir an, die Aussiedler über kulturelle Veranstaltungen mit den deutschen Mitbürgern zu konfrontieren, ihnen aber auch durch die Hilfe eines Rechtsanwaltes rechtliche Grundlagen und bürokratische Ratschläge zu geben".
Eher an die jungen Aussiedler richtet sich der Kontakt Erfttal. "In der Gnadentaler Hauptschule haben wir ein Schülercafé eingerichtet. Die jugendlichen Aussiedler können gleich im Anschluss an die Schule zu uns kommen und Kontakte zu deutschen Jugendlichen knüpfen", sagt der Leiter des Kinder- und Jugendzentrums, Klaus Winkels. Bis 16 Uhr können die Jugendlichen dort ihre Freizeit verleben. Danach besteht die Möglichkeit, ins Jugendzentrum zu gehen. "Die Jugendlichen zeigen sich von dem Projekt begeistert, und so haben wir in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht".
Weniger gute Erfahrungen hat die Einrichtung mit den 23- bis 27-jährigen Aussiedlern gemacht. "Diese Altersgruppe können wir leider nur sehr begrenzt ansprechen, da sie sich zunehmend abschotten. Sie sind der deutschen Sprache nicht mächtig, zeigen nicht die Bereitschaft an Sprachkursen teilzunehmen. Letztendlich wollen sie überhaupt keinen Kontakt zur restlichen Bevölkerung finden", so Klaus Winkels. Und so verdeutlicht sich das generelle Problem: In der neuen Heimat wird nur derjenige zurechtkommen, der auch gewillt ist, sich zu integrieren. HDH
Quelle: NGZ-Bericht vom 08.04.2000

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