Die Neuss-Grevenbroicher Zeitung (NGZ) greift die Erfttaler Bürgerbeschwerden nur unvollkommen auf

Hinsichtlich der Sicherheit und Ordnung in Neuss-Erfttal wurde in der NGZ zum wiederholten Male unausgewogen berichtet – Die Kriminalitätsstatistik wird für die mangelhafte Polizeipräsens missbraucht – Meine Angebote, umfassend aus Bürgersicht zu informieren, wurden bislang nicht aufgegriffen!

Betr.: Bericht der NGZ vom 05.04.2003 „NGZ-Interview mit Polizeidirektor Reinhard Lenzen-Fehrenbacher zur Kriminalität im Stadtteil Erfttal"

Die NGZ berichtete mit ausgewogenen Informationen in der Serie „Wir in Erfttal". In einem Sonderbericht gaben die NGZ-Redakteure aber den Vertretern der Kreispolizeibehörde Neuss umfassend Gelegenheit zur „Sicherheitslage" in Erfttal Stellung zu nehmen; dabei lag den Interviewten mein Schreiben vom 29.03.2003 an die Kreispolizeibehörde Neuss vor. Die Behördenvertreter hatten damit Gelegenheit, letztlich auf meine Situationsbeschreibung bzw. Forderungen „zu Gunsten der Polizei" zu reagieren.
Es mangelt nun an einer entsprechend gezielten Gegenäußerung meinerseits. Diese Rückmeldung sollte mir in der Form des Abdrucks einer Leserzuschrift ermöglicht werden. Daher wurde zu dem vorbezeichneten Artikel die nachfolgende Leserzuschrift abgefasst; sie wurde leider in der NGZ nicht abgedruckt. Daher die Vorstellung hier!

Die führenden Vertreter der Kreispolizeibehörde Neuss sind von mir seit Jahren mündlich und schriftlich über die von den Bürgerinnen und Bürger in Erfttal beklagten Zustände informiert und gebeten worden, durch entsprechende polizeilichen Einsätze an einer Problemlösung mitzuwirken. Dabei konnte ich erkennen, dass das Bemühen der Beamtinnen und Beamten der Kreispolizeiinspektion Neuss-Mitte, den Fehlentwicklungen bezüglich Sicherheit und Ordnung in Erfttal entgegen zu treten, nicht infrage gestellt werden kann. Was aber unverkennbar ist und ernstlich nicht bezweifelt werden kann: Die Polizeipräsens hat deutlich nachgelassen! Dies liegt aber offensichtlich weniger am guten Willen der Polizeiverantwortlichen in Neuss, sondern mit Blick auf die in jüngster Zeit starke Inanspruchnahme von Polizeikräften eindeutig an der völlig unzureichenden personellen und sachlichen Ausstattung der Polizei. Insoweit ist der Polizeiminister, Dr. Behrends, in erster Linie gefordert. Wir brauchen vor allem deutlich mehr Polizeibeamte! Wenn die Polizeiverantwortlichen unter Hinweis auf die Kriminalitätsstatistik für Erfttal zu beschönigen versuchen, muss widersprochen werden. Die hier vor Ort beklagten Zustände führen zum überwiegenden Teil überhaupt nicht zu Anzeigen, Alt-Erfttaler ziehen von hier weg oder haben einfach resigniert. Andere erstatten deshalb keine Anzeige, weil sie an deren erfolgreicher Weiterbearbeitung zweifeln. Im Übrigen ergeben sich in Erfttal tagtäglich sicherheitsrelevante Probleme, die mit kriminalitätsstatistischen Argumenten überhaupt nicht bewertet werden können. Dies habe ich bereits in mehreren Bürgerversammlungen den Polizeivertreten vortragen können. Polizeieinsätze brauchen wir fast ausschließlich abends und nachts, und weniger tagsüber. So hilft uns zum Beispiel der Einsatz von Bereitschaftspolizei nachmittags zwischen 15 – 17 Uhr überhaupt nichts. Es bedarf, um unseren Sicherheitsbedürfnissen gerecht zu werden, einer Einsatzplanung, die nicht auf die üblichen Dienstzeiten, sondern allein auf die Hilfsnotwendigkeiten abstellt.
Herr Meyer, Kriminalhauptkommissar a.D. beschrieb im NGZ-Bericht vom 02.04.2003 („Private Vorsorge bald auch für Sicherheit?") übrigens eindrucksvoll ein düsteres Bild der nächsten 10 Jahre: Mehr Kriminalität, der Verlust wirtschaftlicher Stabilität und die Auflösung gesellschaftlicher Strukturen werden uns bisher nicht gekannte Probleme im täglichen Miteinander bereiten. Sicherheit und Ordnung werden nicht mehr von der Polizei bzw. der Kommune gewährleistet werden können, sondern jeder wird selbst für seine Sicherheit sorgen müssen. Dieses Szenario ist leider keine Utopie und nicht etwa weit entfernt! Selbst das Kinderparlament in der Erfttaler Zukunftswerkstatt (Mai 2001) äußerte sich mehrheitlich zu diesbezüglichen Fehlentwicklungen. Leider ist aber bisher kein einziges Problem wirklich angegangen worden, geschweige denn gelöst worden. Ich komme daher nicht umhin, Herrn Meyer in seiner Einschätzung, dass sich unsere Gesellschaft in einer rasanten Negativentwicklung befindet, nur zuzustimmen. Wann aber wachen die verantwortlichen Politiker auf und steuern entschieden dagegen???

Werner Schell - 41469 Neuss-Erfttal

Bürger von Erfttal und Sprecher des Arbeitskreises „Sicherheit und Ordnung"

http://www.wernerschell.de