Extremsportler Daniel Dost (28) aus Neuss-Erfttal

Schlangen und Schweiß im staubigen Wüstensand

Allein der Gedanke daran treibt einem schon die Schweißperlen auf die Stirn: 230 Kilometer durch die Sahara laufen, in der Mittagsglut bei 40 Grad Celsius von Dünenkamm zu Dünenkamm spurten, während der weiche Sand unter den Füßen nachgibt und den Lauf so zur zusätzlichen Strapaze macht. Und zu allem Überfluss noch einen prall gefüllten Rucksack mit Proviant auf den Schultern. Denn am Wegrand warten keine Essenstände und Wasserquellen, sondern nur staubiger Wüstensand. Wer tut sich so was freiwillig an?
Dost
Daniel in der jordanischen Wüste. Im November hat er dort beim Desertcup einen Dauerlauf von 34 Stunden absolviert und dabei 168 Kilometer zurückgelegt.

Zum Beispiel der 28-Jährige Daniel Dost aus Neuss-Erfttal. Aber nicht, um sich selbst seine Leistungsfähigkeit zu beweisen. Der sportliche Erfttaler nimmt diese Strapazen auf sich, um Leukämiekranken zu helfen: "Sich 230 Kilometer durch die Wüste zu quälen - wenn dadurch anderen Menschen auch einmal die schönen Seiten des Lebens sehen können, dann ist das mehr wert als jede Medaille, die man gewinnen kann."

Daniel sucht nämlich noch nach Sponsoren für seine Strapazen in der marokkanischen Wüste beim "Marathon des Sables" vom 4. bis 14 April. Aber Daniel will kein Geld für sich, im Gegenteil: "Viele große Firmen haben mir angeboten, mich mit Sportkleidung, Rucksack oder Werkzeug auszustatten. Das habe ich aber abgelehnt, denn das bringt den Leuten nichts, denen ich helfen möchte." Daniel Dost will vielmehr, dass wie bei einem "Sponsored Walk" Geld für jeden gelaufenen Wüstenkilometer gezahlt und der gesamte Betrag für Leukämiekranke gespendet wird.

Seine komplette Ausrüstung - und darauf legt der durchtrainierte Erfttaler großen wert - hat er aus eigener Tasche finanziert. Sechs Tage voller Schweiß warten Anfang April auf Daniel: "Der 'Marathon des Sables' ist das härteste Rennen der Welt. Sechs Tage haben die Läufer Zeit, um die 230 Kilometer zu bewältigen. An einem der Tage ist eine Etappe von 80 Kilometern vorgesehen." Eine Strecke von Neuss nach Köln und wieder zurück - nur nicht auf glattem Asphalt, sondern durch die Sahara. Und dann noch elf Kilo Verpflegung auf den Schultern. Da ist einiges an Training vorab nötig, um nicht auf halber Strecke zusammenzubrechen.

"Ich habe erst vor rund drei Jahren mit dieser extremen Sportart angefangen", berichtet Daniel. Und in dieser kurzen Zeit konnte er schon auf mehreren Touren seine Ausdauer unter Beweis stellen. Zuletzt beim Desert Cup in Jordanien im November 2002. "Da wurden 168 Kilometer nonstop durch die jordanische Wüste gelaufen", erinnert sich Daniel Dost noch gut, "das war ein Dauerlauf von 34 Stunden." Besonders erschwerend: Die Temperaturen schwanken extrem, reichen dort von über 30 Grad am Tag bis zu vier Grad in der Nacht. "Da bleibt einem nur, sich an der Landschaft hochzuziehen - denn die meiste Zeit sieht man keine Menschenseele, mit der eine kurze Unterhaltung möglich wäre."

Gepäck
Neben elf Kilo Proviant hat der Extremsportler noch eine Vakuumpumpe im Gepäck - um das Gift bei einem Schlangenbiss oder Skorpionstich aussaugen zu können. Elf Kilo Proviant, Sonnenbrille, Vakuumpumpe - jeder Läufer muss dieses Bündel noch zusätzlich zum eigenen Gewicht tragen.

Auch, wenn der Wüstenmarathon im April bestimmt kein Zuckerschlecken wird - Daniel fühlt sich stark genug, die Strapazen zu überstehen. Nicht nur körperliches Training ist zu absolvieren, auch der Geist muss fit sein: "Die Psyche ist Feind Nummer eins", weiß Daniel aus eigener Erfahrung. Denn wenn der Wille und das Durchhaltevermögen schwinden, hilft auch der kräftigste Körper nicht, um ins Ziel zu gelangen. Erfolg oder Scheitern hängt auch von dem Elf-Kilo-Bündel ab, das jeder Läufer auf dem Rücken tragen muss. "In der Wüste musst Du bei jedem Schritt damit rechnen, dass Dich eine Schlange oder ein Skorpion beißt. Deshalb haben wir ein Schlangenbiss-Set dabei. Mit der Vakuum-Pumpe kann das Gift ausgesaugt werden. Und wenn gar nichts mehr geht, wird die Notrakete gezündet, damit Dich einer in der Wüste findet."

Auch ein Liter Wasser und 2000 Kalorien Nahrung als eiserne Reserve muss jeder Läufer vor dem Start vorweisen. "Welchen Platz ich beim Wüstenlauf im April belege, ist letztlich gar nicht wichtig. Ich hoffe nur, dass ich durchhalte und dass sich Sponsoren finden, die meine 230-Kilometer-Qual durch die Sahara unterstützen uns so den Leukämiekranken helfen", meint Daniel.

Spender und Sponsoren, die Daniel unterstützen wollen, melden sich bei der ehrenamtlich tätigen Koordinatorin Hille Göttgens unter der Rufnummer 02137/13401.


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