Betroffenheit in Erfttal: Stadtdechant Msgr. Karl Franssen, der erste Pfarrer in Neuss-Erfttal, verstarb am 28. März 2000
Zum Tod von Stadtdechant Msgr. Karl Franssen / Neuss wurde dem gebürtigen Kölner zu Heimat / Gütiger Seelsorger mit festen Grundsätzen
Ein Bericht von Ludger Baten in der NGZ vom 29.03.2000 (ein Foto ist hier abrufbar)
Sein Platz war bei den Menschen, in deren Mitte er sich geborgen fühlte und denen er zugleich Richtung und Haltung gab. Wer ihn mit "Herr Pastor" anredete, der traf sein Innerstes. Karl Franssen hatte in den 22 Jahren, die er segensreich als Stadtdechant wirkte, nichts von seinem seelsorgerischen Eifer verloren: Er war "Pastor an Heilige Dreikönige", war mit ganzem Herzen gütiger Seelsorger seiner Pfarrei; die Aufgaben im Kirchen-Management nahm er pflichtbewusst an.
Öffentlicher Beifall und auf seine Person gerichtete Aufmerksamkeit waren ihm nicht wichtig. Für ihn zählte das gute Ergebnis. Mit Franssen stand ein Geistlicher an der Spitze der 115.000 Katholiken im Stadtdekanat (Neuss, Kaarst, Glehn, Büderich), der im Ton verbindlich, in der Sache aber zielstrebig und fest verankert in christlichen Grundsätzen war. Gestern Morgen verstarb Msgr. Karl Franssen überraschend in Bad Wörishofen. Die Kur im Allgäu hatte keinen akuten Anlass, war als Erholung gedacht, um frische Kraft zu tanken.
Die Nachricht vom Tod des 69-jährigen Stadtdechanten löste gestern unter katholischen und evangelischen Christen, denen er sich im Sinne gelebter Ökumene verbunden fühlte, tiefe Trauer aus. Noch am Vormittag tagte das Konveniat. Die Dechanten Jochen Koenig (Erfttal) und Josef Brans (Vorst) übernehmen bis zur Ernennung eines neuen Stadtdechanten die Amtsgeschäfte; Stadtjugendseelsorger Friedhelm Kronenberg wurde als Pfarrverweser in Heilige Dreikönige eingesetzt. Am Dienstag (4.) wird der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, die feierlichen Exequien in der Pfarrkirche (10 Uhr) halten.
Karl Franssen wurde im Dezember 1930 im Schatten ehrwürdiger Kirchen und der mittelalterlichen Stadtmauer in Köln geboren. Er erlitt die Schrecken des Krieges, wurde mit der Familie ins Sauerland evakuiert. Nach der Reifeprüfung (1953, Gymnasium Nippes) folgten theologische Studien in Bonn und Innsbruck. Im Februar '59 wurde er im Hohen Dom zu Köln zum Priester geweiht, trat anschließend seine erste Kaplansstelle an St. Marien in Köln-Kalk an. Schon seine zweite Station führte ihn 1965 an St. Quirin in Neuss. Fortan wurde ihm die Quirinusstadt zur Heimat.
Als Vicarius expositus an St. Cyriakus Grimlinghausen erhielt er den Auftrag, die Seelsorge in dem neuen Stadtteil Erfttal aufzubauen. 1975 wurde seine Arbeit durch die Ernennung zum ersten Pfarr-Rektor an St. Cornelius Erfttal gewürdigt; 1976 wurde er Dechant im Dekanat Neuss-Süd. Im beachtlichen Lebenswerk, das Karl Franssen hinterlässt, bildet seine Aufbauarbeit der Erfttaler Pfarre ein ganz starkes Element. 1978 wurde er zum "Dreikönige"-Pfarrer berufen, wo nach der Ernennung von H..W. Ketzer (›02) zum Dompropst in Köln die Stelle vakant war. Auch das Amt des Stadtdechanten übernahm er von Ketzer.
Seither füllte er beide Aufgaben mit Geschick, Umsicht und seelsorgerischer Überzeugung aus, wobei er die Arbeit im 28 Pfarreien zählenden Stadtdekanat einmal auch mit "zur Entlastung meiner Mitbürger" begründete. Angesichts des wachsenden Anspruchsdenkens in der Gesellschaft mahnte Franssen immer wieder zu mehr Verantwortung des Einzelnen am Gemeinwesen: "Der Erwartungsdruck, der auf den Politikern lastet, führt leicht zu politisch motivierten Entscheidungen." Vor Jahresfrist wurde Franssen, der soeben auch zum Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) gewählt worden ist, zum Päpstlichen Ehrenprälaten ernannt.
Quelle: NGZ vom 29.03.2000

http://www.wernerschell.de