Eine bundesweite „Initiative für menschenwürdige Pflege" präsentierte sich erstmals in der Öffentlichkeit

Der im Oktober 2005 gegründete Pflege-Selbsthilfeverband e.V. (Pflege-SHV e.V.) – eine Initiative für menschenwürdige Pflege – trat am 26. Januar 2006 im Domforum Köln mit seinem Anliegen erstmals an die Öffentlichkeit. Das Thema: Menschenwürdige Pflege – zwischen Anspruch und Wirklichkeit, hatte sich als Publikumsmagnet gezeigt.

Zum vollen Haus trugen sicherlich auch die drei Podiumsteilnehmer bei, Claus Fussek, Markus Breitscheidel und Adelheid von Stösser, die durch ihre kritische Haltung in Pflegekreisen allgemein bekannt sind. In Form eines Talks befragte die Moderatorin Angela Krumpen (Domradio) zunächst Herrn Breitscheidel, den Autor des Bestsellers: „Abgezockt und totgepflegt", zu seinen Erfahrungen in 5 deutschen Heimen, in denen er sich als fachfremder Pflegehelfer beworben hatte. Im weiteren präsentierte Claus Fussek seine Sicht des Pflegenotstands, gegen den er wie kein anderer seit Jahren zu Felde zieht. Er gehört zu den Mitinitiatoren des Pflege-SHV e.V. und veröffentlichte im vergangenen Jahr, zusammen mit dem Journalisten Sven Loerzer das Buch: „Alt und abgeschoben".

Zuletzt schilderte die 1.Vorsitzende des Pflege-SHV e.V., Adelheid von Stösser, ihre Motivation, diesen Verband mit Gleichgesinnten ins Leben zu rufen. Als Lehrerin für Pflegeberufe und Fachfrau für Qualitätsentwicklung in Heimen und Krankenhäusern hat sie in den letzten 12 Jahren mehr als 60 Pflegeheime beraten und dabei große Qualitätsunterschiede festgestellt, die ein Außenstehender auf den ersten Blick kaum wahrnehmen kann. Einer ihrer Beweggründe war die immer wieder erlebte Augenwischerei, die Tatsache, dass Heime individuelle Pflege und ganzheitliche Betreuung im Internet oder in Prospekten versprechen, obschon sie wissen, dass das Personal so eng bemessen ist, dass es oft nicht einmal für das Nötigste reicht.

Zum Beispiel werden Bewohner, die nicht alleine zur Toilette können, genötigt, eine Windel anzuziehen; oder wer zu lange braucht um zu kauen und schlucken, wird für den Rest seines Lebens über eine Magensonde ernährt. Das Kontrollsystem in den Heimen, hier waren sich alle einig, ist ein Witz; denn Heimaufsicht und MDK melden sich meist Tage vorher an und kontrollieren dann im Grunde nur Formalien. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen interessieren dabei kaum, geschweige denn, dass ein Heim Sanktionen zu befürchten hat, wenn es statt der versprochenen Individualbetreuung allenfalls ein Satt-Sauber-Konzept vorweisen kann. Für menschliche Zuwendung ist in den Personalschlüsseln überhaupt keine Zeit vorgesehen. Auch in der ambulanten Pflege dreht sich alles nur um die körperliche Grundversorgung. Pflegedienste arbeiten Module ab, zeitlich ist ihnen genau vorgegeben, wie lange sie bei einem Kranken bleiben dürfen.

Unser gesamtes Gesundheits- und Pflegesystem ist viel zu körperorientiert, worunter vor allem hilfe- und pflegebedürftige alte Menschen leiden, erst recht, wenn sie dement sind.  Der Pflege-SHV e.V. ist ein Verband, der sich für  menschenwürdige Pflege auf allen Gebieten einsetzt. An den Verband können sich Pflegebedürftige und Angehörige genauso wie Pflegekräfte wenden, die menschenrechtsverletzenden Lebens- und Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind.

Leider reichte die Zeit nicht, um all den vielen Wortmeldungen im letzten Teil der Veranstaltung Raum geben zu können. Vieles blieb darum unbeantwortet stehen. Dies erkannte sofort auch der Leiter des Domforums, Herr Hinz, der einen zweiten Termin zugesichert hat, an dem vordringliche Fragen aufgearbeitet werden sollen.

Weitere Informationen zum Verband:

Pflegeselbsthilfeverband e.V. – Pflege-SHV e.V.
Vereinssitz: Am Ginsterhahn 16, 53562 St. Katharinen

Tel. 02644-3686, Fax 02644-80440, E-Mail: info@pflege-shv.de , Internet: http://www.pflege-shv.de

Quelle: Pressemitteilung vom 01.02.2006

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