Schell fordert mehr Geld für Erfttal

Von Ludger Baten

 

Erfttal ist seit über 30 Jahren sein Zuhause. Zunehmend sieht Werner Schell in seinem Stadtteil den gesellschaftlichen Frieden in Gefahr. Für ihn ist die „Zeit des Handelns" überfällig.

Erfttal Seit über dreißig Jahren wohnt Werner Schell in Erfttal. Dort hat er einst ein Häuschen gebaut; dort fühlt er sich Zuhause. Wenn der inzwischen 65-jährige Beamte im Ruhestand durch die Straßen seines Stadtteils schlendert, dann sprechen ihn die Menschen an, grüßen ihn auch die Jugendlichen. Doch seit rund zehn Jahren sieht Werner Schell Fehlentwicklungen in seiner Nachbarschaft, die ihn zum nimmermüden Mahner haben werden lassen. Im Kern fürchtet er um den gesellschaftlichen Frieden: „In Erfttal haben sich längst Parallelgesellschaften etabliert." Und Werner Schell nennt Zahlen: Rund 6.000 Menschen wohnen in den Wohnblocks westlich und den Einfamilienhäusern östlich der Euskirchener Straße. Der Ausländeranteil ist mit 26,8 % - im Stadtgebiet 13,3 % - überdurchschnittlich hoch: rund 30 % der Einwohner sind Deutsche aus osteuropäischen Staaten; knapp 40 % der Einwohner sind unter 25 Jahre alt. Für Werner Schell eine hochexplosive Mischung. Die Experten sagen, „Entdichtung und Entmischung" tue not. Schell bringt`s auf den Punkt: „Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur sind dringlich."

Erneut hat der unerschrockene Kämpfer Vorschläge für eine Stadtteil-Erneuerung aufgelistet. Fünf konkrete Vorschläge will er als Handlungskonzept der Politik vorlegen. Er erneuert seine Forderung aus dem Jahr 2001, einen Belegungs- und Wohnungsmanager einzustellen. Dessen Aufgaben: sich um Rechtssituationen zwischen Mieter und Vermieter kümmern, Vermietungsstrategien entwickeln, Fördermittel einwerben, Wohnumfeld verbessern helfen. Schell fordert weiter ein Integrationskonzept: „Sprachkurse ersetzen kein Handlungskonzept!" Bei der Kinder- und Jugendförderung sieht Schell, dass die Streetworker auf sich allein gestellt sind. Sie seien als „Fänger" unterwegs, erreichten auch junge Menschen, könnten ihnen dann aber kein weiterreichendes Angebot unterbreiten. Und wieder sagt Schell: „Es fehlt eine Gesamtstrategie." Schell und seine Mitstreiter sehnen sich nach Sicherheit und Ordnung, damit sie nachts wieder ruhig schlafen können. Jugendliche, die bis tief in die Nacht abhängen, störten die Ruhe: „Offenbar reichen personelle und sachliche Mittel der Polizei nicht aus." Schließlich wirft Schell „interessierten Personen und Institutionen" vor, die Erfttaler Probleme zu verniedlichen. Träger- oder Stadtteilkonferenzen seien fremdbestimmt: „Nur Heinz Sahnen und ich wohnen in Erfttal. Alle anderen Teilnehmer kommen von auswärts. Kennen die Erfttaler Verhältnisse nur unzureichend". Werner Schell erwartet, dass der Stadtrat im Haushalt 2005 umfassende Mittel für die Stadtteil-Erneuerung zur Verfügung stellt: „Bisher war der Mitteleinsatz bescheiden. 555.000 Euro in drei Jahren. Es muss mehr Geld fließen".

Werner Schell geht mit der CDU-Mehrheit im Rat und dem in Erfttal gewählten Stadtverordneten Heinz Sahnen hart ins Gericht. Die bisherige Politik sei gescheitert, auf programmatische Aussagen der CDU warte er noch immer: „Die jüngste Veranstaltung mit dem Integrationsbeauftragten war ein reines Ablenkungsmanöver." Die schwierige Situation in Erfttal verbiete, dass sich „Gesundbeter" Gehör verschafften: „Es ist Zeit, dass endlich gehandelt wird. Die Bürgerschaft darf nicht länger ausgeklammert werden."

Quelle: Bericht der Neuss-Grevenbroicher Zeitung (NGZ) vom 29. Oktober 2004

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