Muslime feiern auch hierzulande ihr Opferfest
- "Türken wollen gute Nachbarn sein"
Die Männer strahlen Herzlichkeit aus. Offen gehen sie aufeinander zu: der
Bruderkuss für Freunde und Bekannte, ein Handschlag für den Fremden. Eine
Schüssel mit Bonbons und Kugelschreiber-Präsente symbolisieren die
Bereitschaft zu teilen, den Menschen Freude zu bereiten. Die Muslime feiern ihr
Opferfest, das höchste Fest, das der Islam kennt. Quelle: NGZ vom 6. März 2001
Rund 1.500 Gläubige begannen den Feiertag gestern Morgen mit einem Gebet in
der Ayasofya Anadolu Moschee an der Schellbergstraße in Derikum. Den Tag
verbringt, wer vom Arbeitgeber Urlaub gewährt bekam, im Kreis der Familie,
besucht Verwandte und Freunde. Zum Opferfest gibt, wer besitzt, gut und gern an
Bedürftige. Zum Ritus gehört traditionell das Schlachten von Schafen und
Ziegen, das Teilen der Mahlzeit. Am Montag war in den Familien der über 7.000
in Neuss lebenden Türken alles anders. "90 Prozent der Haushalte
schlachten nicht", sagt Mustafa Ünlü. Der Maul- und Klauen-Seuche (MKS)
keine Chance. Im Komplex an der Schellbergstraße mit prachtvoll dekoriertem
Gebetsraum, Reisebüro, Lebensmittel-Markt und Teestube hängen die
Hinweis-Briefe des Kreisvetrinäramtes aus. "Wir halten uns an die
Spielregeln", versichert der Vorsitzende des Trägervereins.
So wird die ohnehin große Spendenbereitschaft noch einmal belebt. Viele
schicken den in der Türkei lebenden Familienmitgliedern Geld. Und auch vor und
nach dem Frühgebet füllen Geld-Scheine den Sammelbeutel. "Wir wollen
möglichst schnell unsere Schulden tilgen", sagt Ünlü, "noch haben
wir 3,3 Millionen Mark zu zahlen". Sieben Millionen Mark hat nach Angaben
der Bauherren das Projekt gekostet, das sich ausschließlich über Spenden
finanziere und erst vor sechs Jahren mit dem Kauf des 2.000 Quadratmeter großen
Grundstücks gestartet worden sei. Ünlü zeigt sich zuversichtlich, dass der
"Türkisch Islamische Kulturverein", der als Träger fungiert, schon
in wenigen Jahren schuldenfrei ist.
Der Verein gehöre der "Ditid" an, einer Dachorganisation, die in
Deutschland 782 Moscheen unterhalte. Die Vorbeter, zumeist Beamte, würden vom
türkischen Staat auch ins Ausland zugeteilt. Ünlü will die
"Moschee" als offenes Haus für "alle Neusser" führen und
freut sich über steigendes Interesse der (deutschen) Nachbarn: "Viele
Gruppen kommen, besuchen uns, informieren sich. Mit unseren direkten Anliegern
pflegen wir ein sehr gutes Verhältnis." Längst nähmen viele seiner
Landsleute Neuss als (zweite) Heimat an: "Eine schöne Stadt, in der wir
gern leben". Der heute 65-Jährige kam vor 36 Jahren nach Neuss, stand
über drei Jahrzehnte in Diensten der VAW, ehe er soeben in den Ruhestand
eintrat. Er glaubt an eine gute Zukunft: "Wenn Deutsche und Türken ehrlich
aufeinander zugehen, werden sie gemeinsam Probleme lösen."
Ludger Baten
Informationen, auch in deutscher Sprache: http://www.neussayasofyaanadolucamii.via.t-online.de.
- Bank: Türkisch Islamischer Kulturverein, Konto-Nummer 260 158 0015 bei der VR
Bank (BLZ 305 605 48)