Paul-Schneider-Haus in Erfttal feiert 25-jähriges Bestehen/ Ausstellung über den Namensgeber / Anlaufstelle der evangelischen Kirche
Erfttal.
Genau 25 Jahre Paul-Schneider-Haus in Erfttal, dem evangelischen Gemeindezentrum für den Stadtteil. Bei seiner Gründung wurde es ebenso aus dem Boden gestampft wie die übrige Bebauung, wobei man damals an die Schöpfungs-Geschichte erinnert wurde, in der es bekanntlich heißt: Und die Erde war wüst und leer.
Gestern nun war der Tag des ersten Jubiläums gekommen, der etliche Aktivitäten aufwies und mit einem Festgottesdienst unter der Mitwirkung des Kirchenchores des vierten Pfarrbezirks eingeleitet wurde. Anschließend gab es im Paul-Schneider-Haus vielfältige Begegnungen und Aktivitäten von Jung und Alt, von denen reichlich Gebrauch gemacht wurde. Unter anderen hatte sich auch der Neusser Bundestagsabgeordnete Hermann Gröhe in seiner Eigenschaft als Mitglied der Synode und des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) sowie Dechant Jochen Koenig, der Pfarrer von St. Cornelius in Erfttal, eingefunden hatten.
Sie wurden herzlich von Pastorin Annette Gärtner begrüßt. Im Mittelpunkt der Nachmittags-Veranstaltung stand die Eröffnung einer Ausstellung über das Leben und Werk des Namendsgebers, Pfarrer Paul Schneider, die mit viel Liebe zusammengetragen wurde, und die mit umfangreichen Bildmaterial einen tiefen Einblick in das Leben des Geistlichen gab, der ein früher Märtyrer seiner Kirche war, wurde er doch schon 1939 im Konzentrationslager Buchenwald von den Natzis umgebracht, wobei es überaus interessant ist, dass an einer der Stelltafeln auch die Erkennungsmerkmale der jeweiligen KZ-Insassen zu finden ist.
Paul Schneider wurde 1897 in einer im Hunsrück beheimateten Pastoren-Familie hinein geboren, so dass sein späterer Lebenslauf nicht von ungefähr kam. Nach dem Besuch der Volksschule kam er zum Gymnasium Bad Kreuznach und wechselte später zum Gymnasium nach Gießen, an dem er während des Ersten Weltkriegs sein Notabitur ablegte. Anschließend meldete er sich als Kriegsfreiwilliger, wurde an der Ost-, wie an der Westfront eingesetzt und kehrte als verwunderter Leutnant der Reserve in die Heimat zurück.
Dort nahm er sein Studium der Theologie auf, stand aber zwischendurch auch als Arbeiter am Hochofen in Dortmund, um das Arbeitsleben vor Ort kennen zu lernen. Seine erste Pfarrstelle übernahm er dann in seiner engeren Heimat. Den neuen Machthabern stand Pastor Paul Schneider mit großer Skepsis gegenüber. Dabei war es schon früh absehbar, dass es zum Eklat kommen musste. Der trat dann im Juni 1934 im Rahmen einer Beerdigung ein, Paul Schneider wurde zum ersten Mal verhaftet. Bis 1937 sollten noch drei weitere Festnahmen folgen.
Die vierte Verhaftung führte dann zu der Einweisung in das Konzentrationslager Buchenwald. Dort wurde er bald als "Prediger von Buchenwald" bekannt. Von seinem Zellenfenster aus wandte er sich an seine Mitgefangenen, um ihnen Trost in ihrem Leid zu spenden. Das wiederum behagte den KZ-Schergen ganz und gar nicht. Am 18. Juli 1939 wurde er mit einer Überdosis Strophantin ermordet. Seine letzte Ruhestätte fand Paul Schneider in seiner Heimat, dem Hunsrück. Was die Herrenmenschen des Dritten Reiches mit Menschen, die nicht auf ihrer Linie lagen, anstellten, das zeigt die Ausstellung im Paul-Schneider-Haus in Bild und Schrift überaus eindrucksvoll.
Und dass die Erinnerung an die Schreckenherrschaft die Besucher mehr als nachdenklich machte, ließ sich in den Gesichtern der Menschen deutlich ablesen. Dass auch im kirchlichen Leben Leid und Freud' nicht weit auseinander liegen, zeigten die weiteren Programmpunkte des Nachmittags. Glaskünstler Jakobus Klonck stellte in einem Gespräch die Glasfenster im Kirchenraum vor, derweil die Pänz beim Basteln ihre Freude hatten. Viel Spaß vermittelten die Clownerie und Zauberei mit Bibo, bei denen man aus dem Staunen nicht heraus kam.
Jung und Alt konnten aber auch einen Blick in die Bücherei des Hauses werfen und sich zudem an etlichen Köstlichkeiten laben. Die Abschluss-Andacht mit dem Gospelchor von St. Elisabeth rundete den Tag des Jubiläums in Erfttal eindrucksvoll ab.
Quelle: Bericht der NGZ vom 03.04.2000 h-er

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