Sicherheitsgefühl der Neusser soll erhöht werden - Fernostreise mit Nachwirkung
Von Klaus D. Schumilas
Am Montag (25.4.2005) wurde die Ordnungspartnerschaft zwischen
Stadt und Kreispolizeibehörde unterzeichnet. Polizeichef Dieter Patt kam sogar
ins Rathaus - aber Gastgeber Bürgermeister Herbert Napp fehlte plötzlich. Der
Grund: Jetlag.
Es waren schon Wetten abgeschlossen worden: Kommt er oder kommt er nicht? Er kam
nicht. Bürgermeister Herbert Napp kam seiner Pflicht als Gastgeber nicht
persönlich nach, schickte stattdessen seinen Stellvertreter und Ersten
Beigeordneten Peter Söhngen zur Unterzeichnung des Vertrages, der nach
monatelanger Vorbereitung die Ordnungspartnerschaft zwischen Polizei und Stadt
besiegelte.
Der setzte seinen Namen unter das Werk, Landrat Dieter Patt den seinigen als
Leiter der Kreispolizeibehörde. Napp und Patt im Neusser Rathaus,
Vertragsunterzeichnung und anschließender Händedruck - dieses Bild hätte
Seltenheitswert gehabt. Doch der Bürgermeister ließ sich kurzfristig
entschuldigen. Selbst Stadt-Sprecher Michael Kloppenburg zeigte sich
überrascht, verteilte eine zweiseitige Information, in der noch Napp als
Vertragspartner von Patt genannt wurde.
Wo war der Bürgermeister? Welcher dringende, kurzfristige Termin hatte ihn von
dieser „historischen" Stunde abgehalten? Schnell waren wilde
Spekulationen im Raum. Saß Herbert Napp vielleicht nur zwei Räume entfernt in
seinem Amtszimmer und war verärgert über die Aussagen des Landrates, die er in
der NGZ gelesen hatte? Patt hatte beim „Talk im Thomas-Morus-Haus" zum
Verhältnis zu Herbert Napp unter anderem gesagt, er wolle das Verhältnis gern
verbessern, er fürchte aber, das gelinge nicht mehr.
Während das Wort von „Brüskierung" schnell die Runde machte, reagierte
Landrat Patt gelassen. „Ich verspüre keinen Ärger, mir geht es um die
Sache." Er wisse nicht, warum der Neusser Bürgermeister unerwartet nicht
dabei gewesen sei, „ich habe auch nicht danach gefragt. Das ist nicht mein
Thema. Es geht mir um die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Neuss." Zwei
Stunden nach der Vertragsunterzeichnung lieferte das Presseamt die Erklärung
für das Fernbleiben: „Es lag am Jetlag. Die Fernost-Reise war doch sehr
anstrengend gewesen", sagte Stadt-Sprecher Kloppenburg. „Daher musste
Bürgermeister Herbert Napp den Termin kurzfristig absagen.
Zum Anlass selbst: Der Vertrag sieht eine stärkere Präsenz von Polizei und
Kommunalem Servicedienst (KSD) in der Stadt Neuss vor. Beide Seiten verpflichten
sich, den Kommunalen Servicedienst und den Streifendienst der Polizei zu
verstärken. So soll die Zahl des KSD zum 1. Juni von zwei auf fünf Mitarbeiter
erhöht werden. Gleichzeitig wird auch der Streifendienst der Polizei um drei
Kräfte aufgestockt. Die Beamten werden als brennpunktorientierte Fußstreife im
gesamten Stadtgebiet eingesetzt. Sie werden besonders eng mit dem KSD
zusammenarbeiten.
Der Vertrag über den Ausbau der Ordnungspartnerschaft hat zum Ziel, die
objektive Sicherheit, aber auch das Sicherheitsgefühl der Neusser zu erhöhen.
Viele Menschen fühlen sich durch Vandalismus, Farbschmierereien, Drogenszenen
oder aggressives Verhalten von Gruppen stark beeinträchtigt. Die
Verantwortlichen in Rathaus und Polizeibehörde wollen konkrete Projekte zur
Verbesserung der Sicherheitslage auf Plätzen und Spielplätzen, an
ÖPNV-Haltepunkten, Ausflugzielen und in Freizeitanlagen sowie Grünflächen
festlegen.
Ein besonderes Augenmerk gilt bekannten Treffpunkten von zum Beispiel
Jugendlichen und Problemgruppen. So genannte „Angsträume" sollen
beseitigt werden. Beide Partner streben den Ausbau der Zusammenarbeit mit
Bundesgrenzschutz, Deutscher Bahn, Rheinbahn und Stadtwerken an. Die
Arbeitszeiten werden ebenso wie die Einsatzorte flexibel gehandhabt. Sie liegen
zwischen 6 und 22 Uhr. Wenn ab Juni das Personal aufgestockt wird, wird ein
KSD-Paar auch ständig in den Außenbezirken, vorwiegend in Erfttal, Weckhoven,
Grimlinghausen, unterwegs sein.
Das war aus personellen Gründen bislang nicht machbar. Die zusätzlichen Kosten
für die Stadt belaufen sich für die drei neuen Stellen auf 120 000 Euro im
Jahr.
INFO
Sicherheit und Ordnung
Bereits 1998 hatte die Stadt den Kommunalen Servicedienst im Innenstadtbereich
ins Leben gerufen. Die beiden KSD-Mitarbeiter wurden schnell zu beliebten
Ansprechpartnern für Bürgerinnen und Bürger und bei Schwierigkeiten aller Art
angesprochen. Als „Augen der Stadtverwaltung" konnten sie schon im
Vorfeld durch Gespräche, Informationen und Hinweise zahlreiche Probleme lösen.
Im Mai 1999 war dann ein Sicherheitsnetz unter dem Motto „Ich schau nicht
weg!" aufgebaut worden, an dem sich auch Busfahrer und Taxifahrer
beteiligen. Als Personen, die kontinuierlich im Stadtgebiet unterwegs sind,
melden sie Auffälliges und Störendes direkt an das Bürger- und Ordnungsamt.
In enger Zusammenarbeit hatten Kreispolizeibehörde und Bürger- und Ordnungsamt
bereits in der Vergangenheit Probleme gemeinsam gelöst. Der jetzt
unterzeichnete Vertrag über die Ordnungspartnerschaft sieht eine noch
konkretere Zusammenarbeit vor.
Quelle: Bericht der Neuss-Grevenbroicher Zeitung (NGZ) vom 26.4.2005
http://www.ngz-online.de/ngz/news/neuss/2005-0426/jetlag.html