Sportfest der SG Erfttal mit dem Freundeskreis "Deutsche aus der ehemaligen Sowjetunion" in Norf

Gemeinsam einander kennen lernen

Norf. Samstag ist normalerweise eine Zeit, an der die Schule wie ausgestorben wirkt. Nicht so am vergangenen Samstag. Denn da feierte der Sportverein SG Erfttal zusammen mit dem Freundeskreis "Deutsche aus der ehemaligen Sowjetunion" und der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland sein erstes integratives Sportfest. Kinder und Jugendliche sollen in Spiel und Sport zusammenfinden.
Diesen Gedanken betonte auch Heinz Sahnen, Landtagsabgeordneter und Mitglied der SG Erfttal, der die Veranstaltung eröffnete. Der Sport sei die ideale Möglichkeit zur Integration. Dieses Ziel verfolgt auch Paul Listau von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, wobei sich beim Sportfest bereits erste Ansätze zeigten. Zwar waren rund Zweidrittel der etwa 80 Teilnehmer Russlanddeutsche, doch immerhin rund ein Drittel Deutsche und Türken hatten sich in der großen Dreifachsporthalle des Gymnasiums Norf eingefunden. "Ursprünglich wollten wir das Sportfest in Erfttal feiern, wo auch unsere Hauptwirkungsstätte ist, doch da war der Raum nicht groß genug."
So mussten die Organisatoren eine andere Halle finden und bekamen glücklicherweise kostenlosen Zugang zur Sporthalle in Norf. Antonius Suppes vom DRK-Kreisverband Neuss lobt vor allem das integrative Engagement der Spätaussiedler: "Paul Listau hat mir gegenüber von Anfang an immer wieder betont, wie wichtig die "Durchmischung" sei, damit die Russlanddeutschen, vor allem die Jugendlichen, nicht nur unter sich bleiben." So gelang es den Verbänden - auch mit der starken Unterstützung des Sozialdienstes Katholischer Männer und des Kontakt Erfttal, dass bislang mehr als 30 Jugendliche in die Sport-Gemeinschaft Erfttal eintraten. "Unsere Jugendliche haben es nicht einfach", berichtet Paul Listau.
"Und es bestehen auch Spannungen zwischen Russlanddeutschen und Türken. Durch eine integrative Arbeit in den Sportvereinen können da viele Aggressionen und Vorurteile abgebaut werden. Wenn sich die Jugendlichen erst einmal etwas besser kennen lernen, können echte Freundschaften wachsen." Das setze natürlich viel Engagement voraus. Nicht nur Paul Listau, sondern auch mehrere Sportlehrer aus der ehemaligen Sowjetunion engagieren sich ehrenamtlich für die sportliche Integrationsarbeit. Doch gerade für Veranstaltungen wie das Sportfest oder auch die Fortsetzung des Malwettbewerbes für Kinder, der im vergangenen Jahr ein großer Erfolg war, sind die Mittel knapp.
"Einige Sponsoren, darunter das Rote Kreuz und die Raiffeisenbank, haben für dieses Sportfest Sachpreise gestiftet, doch wir wären sehr froh, wenn wir mehr Förderer gewinnen könnten, um auch in Zukunft derartige Veranstaltungen planen zu können." Bis in den frühen Abend trafen sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene bei Mannschaftsspielen wie Volley- und Basketball, Staffellauf und vielen anderen sportlichen Aktivitäten.
Und auch, wenn sich Paul Listau eine etwas größere Beteiligung von Einheimischen erhofft hätte: Ein erster Schritt zur Integration von Spätaussiedlern ist getan. Und es sollen zahlreiche weitere Aktionen folgen. Neben der Fortsetzung des Malwettbewerbs werden die Mannschaften der Russlanddeutschen auch an den Sommersportwochen der Sport-Gemeinschaft Erfttal teilnehmen, und im Herbst ist ein Sportfest in Grimlinghausen geplant.

Quelle: Bericht der Neuss-Grevenbroicher Zeitung (NGZ) vom 27.03.2001 (Lokalteil - dm)

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