Wohnblock weicht Einfamilienhäusern
"Ein gewaltiger Schub für Erfttal"
Von Thilo Zimmermann
Als "gewaltigen Schub für Erfttal" würdigten Vertreter von Landesregierung, Stadt und Bauverein am Donnerstag die geplanten Verbesserungen an Harffer- und Euskirchener Straße. Im Kern geht es um den Abriss eines wenig ansehnlichen Wohnblocks, der Einfamilienhäusern weichen soll, sowie die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen in der Nachbarschaft.
Der Wohnblock Harffer Straße 2-4 soll bald Einfamilienhäusern Platz machen.
Dr. Hans-Dieter Krupinski von der Landesregierung, Bürgermeister Herbert Napp
und Landtagsabgeordneter Heinz Sahnen aus Erfttal machten sich Donnerstag
Nachmittag ein Bild von der Lage.
Der Erfttaler CDU-Politiker Heinz Sahnen, stellvertretender Vorsitzender des
Landtagsausschusses für Städtebau und Wohnungswesen, Ministerialdirigent Dr.
Hans-Dieter Krupinski, Abteilungsleiter im Düsseldorfer Städte- und
Wohnungsbauministerium, Bürgermeister Herbert Napp und Klaus Harnischmacher,
Vorstandsvorsitzender des Bauvereins, zeigten sich bei einem Ortstermin
zuversichtlich, "dass die Wohn- und Lebensverhältnisse deutlich verbessert
werden".
"Die für diese Bau- und Siedlungsform typischen baulichen,
wohnungswirtschaftlichen und sozialen Probleme können nur in einer
konzertierten Aktion aller Beteiligten vor Ort gelöst werden und erfordern ein
abgestimmtes Handlungskonzept", so Krupinski. Die Landesregierung werde
solch ein Konzept jedenfalls unterstützen. Begründung: "Die
Umstrukturierung bietet die Chance, die Qualität der Wohnungen und der Siedlung
dauerhaft zu verbessern, neuen, attraktiven Wohnraum für verschiedene
Haushaltstypen zu erhalten und zu schaffen und zu einer sozialen Stabilisierung
des Stadtteils beizutragen."
Der Bauverein hatte Anfang der 70er Jahre in Erfttal 328 öffentlich
geförderte Mietwohnungen in 22 drei- bis siebengeschossigen Häusern errichtet.
23.000 Quadratmeter Wohnfläche waren auf diese Weise an Harffer- und
Euskirchener Straße entstanden. Hinzu kamen Anlagen mit fast 80 Altenwohnungen.
Jetzt werden neue Wege beschritten: Das Hochhaus Harffer Straße 2-4
verschwindet. Bisher konnten 45 Mieter mit einer anderen Wohnung versorgt
werden, die beiden verbliebenen Familien werden bald ebenso umziehen.
Der Abbruchantrag ist gestellt. Wenn die Abrissbagger ihr Werk vollendet
haben, steht ein Grundstück von 4.250 Quadratmetern bereit, auf denen 24
preisgünstige Reiheneigenheime errichtet werden. Voraussichtlicher Baubeginn:
Mitte nächsten Jahres. Als zweites Großprojekt stand gestern die
Modernisierung der 69 Einheiten im Bereich Euskirchener Straße 1-12 im
Blickpunkt. Der Bauverein hat beschlossen, die Mietwohnungen in
Eigentumswohnungen umzuwandeln.
Der Verkauf soll an die Mieter und bei leer stehenden Wohnungen
ausschließlich an Eigennutzer (und nicht an Kapitalanleger) erfolgen.
"Beim Erwerb durch die Mieter wird eine Reduzierung der Wohnbelastung
angestrebt", heißt es. Das Land stellt großzügige individuelle
Finanzspritzen aus Wohnungsbaufördermitteln in Aussicht, und die Sparkasse
Neuss hat sich beispielsweise bereit erklärt, den Kauf mit günstigen
Konditionen zu unterstützen.
"Die Beispielrechnung für eine Familie mit einem Kind führt zu einer
möglichen Reduzierung der monatlichen Wohnbelastung von 240 Mark", so der
Bauverein. Er will eine Einmalzahlung in die Instandhaltungsrücklage zur
Abdeckung späterer Reparaturen von Fassade, Dach, Treppenhaus oder Aufzug
vornehmen. Mieter, die ihre Wohnung nicht kaufen möchten, können darauf
verzichten.
Ihre Appartements bleiben dann Eigentum des Bauvereins. Bevor die Wohnungen
in neue Hände übergehen, steht eine umfassende Sanierung auf dem Kalender. Sie
soll Anfang 2002 beginnen und sechs Monate dauern. Für die im Bestand des
Bauvereins bleibenden Blocks Euskirchener Straße 14-26 und 28-40 mit insgesamt
212 Mietwohnungen ist ebenfalls eine Modernisierung geplant.
Quelle: Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 31.8.2001 (Lokalteil Neuss)