Erfttal wird wohnlicher - Der Bagger repariert städtebauliche Sünden

Ratatazong, weg war der Balkon: "Ich habe schon ein Angebot vom Abbruchunternehmen", trumpfte Bürgermeister Herbert Napp auf, nachdem er am Donnerstag dem Häuserblock Harffer Straße 2-4 des Neusser Bauvereins mit dem Abrissbagger schwer zugesetzt hatte. Einem achtstöckigen Kasten mit insgesamt 47 Wohnungen, der abgerissen wird - obwohl er noch gar nicht ganz bezahlt ist.

Aber: Das Hochhaus aus dem Jahr 1971 kann zu den städtebaulichen Sünden der Vergangenheit gerechnet werden. Die sollen korrigiert, Erfttal wohnlicher gestaltet werden, wie Napp sagte. Für den Bauverein ist der Abriss eine "defizitäre Maßnahme", bestätigte dessen Geschäftsführer Klaus Harnischmacher. "Für den Ort zahlt er sich aus." Wenn das Hochhaus niedergelegt und die etwa 5000 Tonnen Schutt zum Recycling gekarrt sind, bleibt ein Eckgrundstück, auf dem der Bauverein 19 Einfamilienhäuser mit jeweils etwa 120 Quadratmetern Wohnfläche errichten wird. Städtebaulich eine Verbesserung, wie Harnischmacher vor Ort aufzeigte: "Die niedrige Kirche St. Cornelius sowie die von uns schon 1984 gebaute und später prämierte Einfamilienhausgruppe erhalten ein adäquates Gegenüber."

Außerdem werde mit Beseitigung dieses Turmes, der sichtbar eine Barriere zur Euskirchener Straße bildete, logische Übergänge zu dem auf der anderen Seite liegenden Geschosswohnungsbau geschaffen. "Wir entkrampfen die Nachbarschaft", sagte Harnischmacher und meinte das in doppeltem Sinn. Denn auch die Sozialstruktur in dem Quartier wird sich verbessern, wenn der Anteil der Eigenheimbesitzer steigt. Die bleiben länger und haben naturgemäß ein größeres Interesse am Werterhalt ihrer Häuser und Wohnungen als Mieter.

"Wir wollen nicht alle höheren Häuser platt machen", stellte Napp als Aufsichtsratsvorsitzender des Bauvereins klar und wies auf das Beispiel Euskirchener Straße hin. Dort ist der Bauverein dabei, sukzessive alle Wohnungen zu sanieren - und den späteren Mietern auf Wunsch zu verkaufen. Bei einem Quadratmeterpreis von etwa 760 Euro kann eine Finanzierung sogar so günstig gestaltet werden, dass ein Kauf billiger sein kann als die monatliche Miete, rechnete Burkhard Gill vor, der stellvertretende Geschäftsführer. Der CDU-Stadtverordnete für Erfttal, Heinz Sahnen, begrüßte die aufgefahrenen Bagger als sichtbares Zeichen, dass mit der Verbesserung der Lebensqualität in Erfttal nun ernsthaft begonnen wird.

Andere der im Vorjahr in einer Zukunftswerkstatt angeregten Maßnahmen mit diesem Ziel würden weiter laufen. Mit dem Abriss des Hochhauses gehen unter dem Strich zwar Wohnungen im Ortsteil verloren, doch das schafft keine Probleme. Die Wohnungssituation sei deutlich entspannter als vor zehn Jahren, sagte Harnischmacher. Den ehemaligen Bewohnern hätten problemlos neue Wohnungen angeboten werden können. Und die Hälfte von ihnen blieb in Erfttal wohnen.
-nau

Quelle: Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 25.1.2002

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