Zeittauschbörse des katholischen Sozialdienstes - "Erft-Taler" auf dem Konto regelt Geben und Nehmen der Helfer

Erfttal. Eine alltägliche Situation im Haus eines Junggesellen: Die Sonne scheint und lockt viele in die freie Natur. Doch der wöchentliche Hausputz steht an. Der Junggeselle ist verzweifelt, er zieht die Arbeit im Garten vor, an der frischen Luft. "Wie schön wäre es doch, eine Putzhilfe zu beschäftigen." Ein Wunschtraum! Denn aus Kostengründen ist das nicht möglich. Was nun?
In Erfttal kann dieser Traum wahr werden. Einige clevere Männer des Sozialdienstes Katholischer Männer haben sich in Kooperation mit dem Diakonischen Werk eine Lösung einfallen lassen: 1996 gründeten sie die Erfttaler Zeittauschbörse (ZTB). Es ist die erste Tauschbörse dieser Art in Neuss. Dort kann der Junggeselle mit anderen Privatpersonen Hilfsangebote austauschen. So kann er seine Vorliebe für Gartenarbeit gegen eine Putzhilfe tauschen. Dabei sind dem Angebot keine Grenzen gesetzt. Vom Architekten über die Friseuse bis hin zum Steuerberater bietet die ZTB in ihrem "Pool von Angeboten" Professionen jeder Art an.
So ist es möglich, Babysitten gegen Gartenarbeit, Hausaufgabenhilfe gegen Fahrdienste oder PC-Reparatur gegen Hund ausführen zu tauschen. Wie funktioniert dieses System? Mitglieder der ZTB füllen zu Beginn einen Angebots- und einen Nachfragebogen aus. Es wird so festgehalten, wer welche Dienste nachfragt und welche Leistung im Gegenzug angeboten wird. Die Angaben werden in einem Gesamtkatalog gesammelt und regelmäßig aktualisiert. Dieser Angebotskatalog mit den Telefonnummern der Anbieterinnen und Anbieter wird jeden zweiten Monat an alle Mitglieder ausgehändigt.
So können sie sich untereinander in Verbindung setzen und ihre Hilfsangebote austauschen. Langfristig entsteht so ein Kreislauf des Nehmens und Gebens. Die geleistete Hilfe wird in "Erft-Talern" auf einem persönlichen Zeitkonto gutgeschrieben. Eine halbe Stunde geleistete Hilfe entspricht dem Wert von einem "Erft-Taler". Die ZTB steht mit 50 Mitglieder, noch am Anfang ihrer Entwicklung, in Großstädten ist der Tausch von Hilfsangeboten zwischen Privatpersonen schon Gang und Gäbe. Immerhin geht das Angebot der Hilfsdienste schon über die Stadtgrenze hinaus. Sinn und Zweck dieser Organisation ist jedoch nicht, einfach gewisse Dienste "auszutauschen", sondern die Menschen in einem kleinen Stadtviertel wie Erfttal zusammenzuführen.
"Die sozialen Strukturen haben sich gewandelt," betont Paul Petersen, der Ansprechpartner in der ZTB-Zentrale an der Bedburger Straße. "Es besteht eine hohe Fluktuation, die Menschen sind heutzutage gezwungen stets mobil zu sein. Dadurch sind Kontakte in der Nachbarschaft selten geworden." Die Vermittlung der Hilfsangebote soll diesem Trend entgegen wirken und das Entstehen von nachbarschaftlichen Beziehungen in einem Stadtteil fördern. "Die Mitglieder treffen sich alle sechs bis acht Wochen an einem Stammtisch. So können Bekanntschaften gepflegt und Erfahrungen ausgetauscht werden."
Paul Petersen weiß, dass viele Mitbürger den Zusammenhalt in ihrem Stadtviertel vermissen: "Jeden zweiten Dienstag im Monat bieten wir im ,Hofcafe' am Stadtarchiv Interessierten die Möglichkeit, sich über die ZTB zu informieren." Die Tauschzentrale der ZTB befindet sich im Zentrum für Gemeindewesenarbeit in Erfttal, Bedburger Straße 57. Wer Hilfsangebote mit entsprechender Gegenleistung in Anspruch nehmen möchte, erhält bei Paul Petersen unter der Telefonnummer 0 21 31/10 19 17 weitere Auskünfte.

Quelle: Bericht NGZ (Lokalteil) vom 05.08.2000/Ros

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