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Jugendtreff Erfttal - Aussöhnung

Auf der Straße sind junge Russland-Deutsche und ausländische Jugendliche oft Gegner, im Jugendtreff Erfttal fanden sie zueinander. Auch weil sie sich dort nicht aus dem Weg gehen können.

In Erfttal ist ein kleines Wunder passiert. Früher gingen Russland-deutsche und ausländische, vor allem türkische Jugendliche in der Hochhaussiedlung häufig aufeinander los. Es gab Prügeleien und Messerstechereien, die Jungs stahlen sich gegenseitig die Autoradios. "Wir hatten Vorurteile", sagt Waldemar Reichert. Der junge Mann aus Russland: "Wir hatten nur Streit." Doch das habe sich jetzt gründlich geändert.

"Wir sind jetzt Kollegen", meint Schefki Kamberowski, dessen Familie aus Jugoslawien kam. Was hat den überraschenden Wandel bewirkt? Nach Auskunft der Jugendlichen war es der alte katholische Kindergarten, der seit einiger Zeit leer steht und von ihnen seit rund einem Monat als Jugendzentrum genutzt wird. Die Idee kam von den Streetworkern und wurde von den jungen Leuten zwischen 18 und 25 Jahren gerne aufgegriffen.

Zuerst gingen die beiden Gruppen auch dort getrennte Wege. Die Türken mit den anderen ausländischen Jugendlichen nutzten einen kleinen Raum auf der einen Seite des Kindergartens. Heute sagt Konstantin Taach scherzhaft: "Das war die Abstellkammer für die Türken." Doch dem 17-jährigen Russen nimmt das niemand krumm im großen Rund der Jugendlichen aus vielen Nationen.

Gespräche auf dem Sofa

Auf der anderen Seite des Kindergartens hatten es sich die Russland-Deutschen bequem gemacht. Beide Gruppen waren froh, von der Straße zu kommen. Denn im Kontakt Erfttal konnten sie nicht unterkommen, weil das Angebot dort nur für Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr gedacht ist.

In den ersten beiden Tagen blieben die Wege getrennt. Doch während sich die jungen Leute auf der Straße aus dem Weg gehen konnten, ist das in dem neuen Jugendzentrum nun nicht mehr möglich. Erste Kontakte wurden geknüpft und sie merkten, dass die jeweils andere Gruppe gar nicht so schlimm ist. Der enge Raum zwang zur Gemeinsamkeit.

"Wir Türken und Russen haben uns zum ersten Mal hier gut verstanden", bestätigt auch Oktay Güldas. Der 21-Jährige geht sogar so weit, dass der alte Kindergarten ihnen zu einem zweiten Zuhause geworden sei. "Wenn du Probleme hast, kannst du das hier besprechen."

Einen großen Anteil am Erfolg hätten auch die beiden Streetworker. "Sie sind wie unsere Ersatzeltern", sagt der junge Türke. Und was geht ab, im neuen Treff an der Euskirchener Straße? Dreimal in der Woche treffen sich dort die älteren Jugendlichen. Ab 18 Uhr ist dienstags, mittwochs und freitags geöffnet. Diejenigen, die zur Arbeit gehen oder die Abendschule besuchen, kommen etwas später. Durchschnittlich sind rund 60 bis 80 Jugendliche da. Freitags kommen auch schon mal mehr.

Meistens unterhalten sie sich. "Über das wahre Leben", wie Toni Bajrane sagt. Ein Austausch, der zu Hause oftmals nicht gelingt. Hier auf dem gemütlichen Sofa mit ein paar Postern von Rap-Stars, leicht bekleideten Mädels und Autos an der Wand gelingt auf einmal das Gespräch untereinander.

Die meisten der Russland-Deutschen sind jung mit ihren Eltern nach Erfttal gekommen. Ihnen fällt die Umstellung naturgemäß besonders schwer. Die Russland-Deutschen stellen ungefähr die Hälfte der regelmäßigen Besucher. Die andere Hälfte wird zahlenmäßig von den Türken bestimmt. Es folgen Marokkaner, Albaner und viele andere Nationen, natürlich auch Deutsche.

Kindergarten droht Abriss

Die Themen sind die aller jungen Leute: Musik, Schule und Ausbildung sowie natürlich das Thema "Nummer Eins". Die jungen Leute sind der Überzeugung, dass der neue Jugendtreff positive Auswirkungen hat. Die Schlägereien und sonstigen Auseinandersetzungen seien zurück gegangen. Auch der Drogenkonsum habe nachgelassen.

"Hier dürfen wir nicht und sind abgelenkt", heißt es übereinstimmend. Ob jedoch die Arbeit auch in Zukunft fortgesetzt werden kann, ist fraglich. Denn der alte Kindergarten muss abgerissen werden, weil er Asbest-verseucht ist. Doch die Jugendlichen hoffen, dass sie nicht im Stich gelassen werden.

Quelle: Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 5.4.2004