Neuss, den 27. Juni 2001
Stellungnahme zur Beratungsunterlage
des Bürgermeisters der Stadt Neuss für die Ratssitzung am
29. Juni 2001
(in der Anlage "Ein Votum für die Entwicklung von
Neuss-Erfttal")
Thema: Handlungskonzept Neuss-Erfttal
- Zum "Votum für die Entwicklung von Neuss-Erfttal" wurde bereits in
einer Ratsvorlage vom 22.6.2001 umfassend Stellung genommen. Darauf und die
Anlagen dazu (> Erklärung: Die Erfttaler "Zukunftswerkstatt" war
schlicht ein Flop < - Anlage 1 - und > Ergänzende Voten
W. Schell Auszug < - Anlage 2 -) wird Bezug genommen. -1-
- Bezug genommen wird auch auf das mit umfangreichen Ergänzungen und
Einschüben versehene "Votum für die Entwicklung von Neuss-Erfttal"
(steht als Doc-Datei zur Verfügung und kann als E-Mail jedwedem Interessenten
zur Verfügung gestellt werden).
Zur Beratungsunterlage des Bürgermeisters
wird folgende Stellungnahme abgegeben:
Unter "Finanzielle Auswirkungen" mit "keine" zu
umschreiben, zeigt eine bereits früher vermutete/befürchtete Fehleinschätzung
der Verwaltung. Eine für die Bürgerschaft in Erfttal wirksame Aktion erfordert
eine beträchtliche finanzielle Kraftanstrengung. Wenn angenommen werden sollte,
die Probleme in Erfttal könnten im Wesentlichen durch Eigeninitiativen der
Bürgerschaft angegangen oder gar gelöst werden, verkennt man die
Gegebenheiten. Es sind nicht nur ganz aktuell Finanzmittel erforderlich, sondern
es werden auch Folgekosten entstehen. An diesem Punkt darf man sich nicht in die
Tasche lügen.
Die "Beschlussempfehlung" scheint zwar den üblichen
Gepflogenheiten zu entsprechen. Wird ihr entsprochen, bedeutet dies letztlich
eine weitere Hinauszögerung der Lösung von seit Jahren bekannten Problemen. Es
macht wenig Sinn, wenn die Verwaltung erst jetzt hingeht, eine Prüfung der
vorgeschlagenen Projekte bzw. deren Kosten zu prüfen, um dann möglicherweise
in langatmigen Beratungen über die Durchführung zu streiten. Die Erfttaler
haben ganz konkrete Vorstellungen, was vorrangig angegangen werden muss, und
zwar sofort; leider ist in der Vorbereitungsphase für das vorliegende Votum
schon allzuviel Zeit vertrödelt worden. Im Arbeitskreis "Sicherheit und
Ordnung" sind bereits ganz konkrete Projekte (Anträge / Forderungen)
vorgestellt worden, so dass der Finanzaufwand bereits feststeht. Gerade diese
Projekte hat aber die Verwaltung absichtlich bzw. böswillig nicht in das Votum
einbezogen.
Vorrangig angegangen werden müssen alle Maßnahmen, die
- mit einer Veränderung der strukturellen Verhältnisse zusammenhängen
(z.B. deutliche Zurückführung des Ausländer- und Aussiedleranteils,
Ansiedlung von weniger sozial schwachen Personen, weitere Maßnahmen zum
Abriss/Abtragen von Hochbauten an der Euskirchener Straße),
- der Förderung der Jugendarbeit dienlich sind (z.B. Einsatz von
zwei Streetworkern und "Aufrüsten" von Kontakt Erfttal -2-
; der
alleinige Einsatz von Streetworkern macht keinen Sinn, sie müssen etwas
anbieten können) und
- ein wirkliches Angebot bezüglich erster Schritte zu einer Integration
darstellen (z.B. Bildungsoffensive als Pflichtprogramm) -3-.
- Zusätzlich und gleichrangig
müssen, bis sich eine gewisse Befriedung
der Verhältnisse ergeben haben, massiv behördliche/polizeiliche
Präsensarbeit geleistet werden. Die insoweit zwingend erforderlichen
Maßnahmen (im Arbeitskreis "Sicherheit und Ordnung" umfassend diskutiert
und ausformuliert) sind u.a. in meiner Ratsvorlage vom 22.6.2001 vorgestellt
worden.
Die Sachverhaltsdarstellung entspricht nicht den Gegebenheiten.
Insbesondere die als "Kern" beschriebenen Projekte (Teil B) sind zum
überwiegenden Teil nachrangig oder sogar überflüssig. Wirklich wichtige
Textbeiträge wurden absichtlich unterschlagen! Wie schon an anderer Stelle
mehrfach hervorgehoben wurde: Die Bürgerschaft war lediglich als Minderheit
beteiligt!
Hintergrund: Es ist, nachdem in den siebziger Jahren in städtebaulicher
Hinsicht Fehlentwicklungen in Gang gesetzt wurden, folgerichtig, dass sich die
Stadt um eine Verbesserung der Verhältnisse in Erfttal kümmert. Sich hierzu
der Firma Pesch & Partner bzw. OPUS zu bedienen, war überflüssig und
letztlich die Verschleuderung von Steuermitteln. Dieses Geld hätte für Erfttal
nutzbringender verwendet werden können. Die Erfttaler Bevölkerung weiß sehr
wohl, wo die Probleme liegen und welche Projekte erforderlich sind, um eine
wirkungsvolle Sanierung zu gewährleisten. Für den ganzen Schnickschnack mit
Beratungsfirmen, Zukunftswerkstatt und Votum bestand überhaupt kein Bedarf.
Heinz Sahnen und Werner Schell haben bereits in der Vergangenheit die Probleme
in aller Deutlichkeit aufgezeigt. Es hätte nur darum gehen müssen, die
vorliegenden Hinweise aufzugreifen. Es wäre auch beachtliche Zeit gewonnen
worden. Fehlentwicklungen hätten wahrscheinlich schon früher gestoppt werden
können. Im Übrigen verweise ich hinsichtlich der Kritik auf die Einfügungen
in das Votum. Die Methode Zukunftswerkstatt war ein Flop, die beauftragte
Firma völlig ungeeignet und überfordert.
Die Zukunftswerkstatt am 19. und 20.5.2001 wird in der
Beratungsvorlage erneut schön geredet. Sie war in Wirklichkeit überflüssig
und brachte auch keine Ergebnisse zutage, die von einem wirklichen Willen der
Bürgerschaft in Erfttal getragen waren. Die Erfttaler Bevölkerung war in
der Minderheit; es fand eine Fremdbestimmung statt. Näheres ergibt
sich aus den bereits abgegebenen Erklärungen.
Die Ergebnisse der Werkstatt sollen angeblich von den Vorarbeiten der
Arbeitsgruppen beeinflusst worden sein: Es heißt, die Vorarbeiten seien
aufgegriffen worden. Dies ist in weiten Teilen schlicht eine Verdrehung der
wirklichen Verhältnisse. Für meinen Arbeitskreis "Sicherheit und
Ordnung" kann ich herausstellen, dass die Firma OPUS sogar ausdrücklich
und nachhaltig versucht hat, die Vorergebnisse zu ignorieren. Der Gipfel der
Ignoranz bestand dann darin, dass meine Textbeiträge, die als Ergebnisse der
Vorbesprechungen zustande gekommen sind, auch im Votum vollständig unerwähnt
geblieben sind. Sie sind sogar absichtlich unterschlagen worden!!! Der Ablauf
der Werkstatt und damit die Ergebnisse sind in der dargestellten Form nicht vom
Willen der Erfttaler getragen und stellen die Verhältnisse teilweise auf den
Kopf.
Projekte und Maßnahmen (weitere Vorgehensweisen und Verfahren) sind aus
den bereits erwähnten Gründen weder vom wirklichen Bürgerwillen getragen,
noch für die Besserung der Verhältnisse vollständig geeignet. Die sog.
Prioritätenliste ist vom Zustandekommen, vor allem aber vom Inhalt her
abzulehnen. Es wurde bereits zum Punkt "Beschlussempfehlungen"
herausgestellt, welche Projekte wichtig sind, und zwar jetzt! Die
beispielhaft erwähnten Vorhaben für eine erste Startphase zeigen eigentlich,
wie unrealistisch gedacht wird.
Der Einsatz von Streetworkern (mindestens zwei) ist dringend
geboten (schnellstmöglich); aber mit Anschlussprojekt "Aufrüstung"
Kontakt Erfttal.
Das Dienstleistungszentrum Erfttal ist eine schöne Idee, aber
hinsichtlich der erforderlichen Kosten eher nachrangig einzustufen. Ein
solches Zentrum ist sicherlich nicht zwingend erforderlich, es löst
auf keinen Fall irgendein gravierendes Problem in Erfttal. Es besteht sogar
der Verdacht, dass die Vertreter des Gemeinwesenzentrums dieses
Dienstleistungszentrum in den Vordergrund schieben wollten, um damit ihre
Stellen und Arbeitsplätze zu sichern. Merkwürdigerweise sind gerade die
Ausführungen zum Dienstleistungszentrum relativ üppig ausgefallen.
Eine Bildungsoffensive für Erfttaler ist dringlich, allerdings als
eine Art Pflichtprogramm. Sprachausbildung, aber auch sonstige
Bildungsveranstaltungen müssen massiv angeboten werden. Aber: Wer nicht
teilnimmt, muss mit Sanktionen rechnen.
Der Themenkreis "Ortsmitte Erfttal" oder "Marktplatz"
ist eine nette "kosmetische" Wunschvorstellung. Sie ist bei
genauer Betrachtung der Verhältnisse wenig geeignet, irgendein Problem lösen
zu helfen. Dieses Thema ist, wie das Dienstleistungszentrum, als absolut
nachrangig einzustufen.
Die Einrichtung einer Werkstatthalle ist so überflüssig wie ein
Kropf. Es gibt bekanntlich genügend Ausbildungs- und
Qualifizierungsmöglichkeiten für junge Menschen. Das eigentliche Problem
besteht darin, dass die vorhandenen Angebote in Neuss und anderswo nicht
angenommen werden. Die Errichtung einer Werkstatthalle würde im Übrigen
erheblichen Mittelaufwand erfordern, der dann an anderer Stelle fehlt. Dieses
Projekt ist nicht einmal nachrangig einzustufen, sondern schlicht überflüssig.
Die finanziellen Auswirkungen sind so, dass bereits für das Jahr 2001
erhebliche Geldbeträge zur Verfügung stehen müssen. Es wundert doch sehr,
dass die Verwaltung erst in allernächster Zeit mit Überlegungen beginnen will,
was die Projekte denn endgültig kosten werden. In den Arbeitskreisen, in denen
ich mitgewirkt habe, sind diese Fragen schon diskutiert und teilweise
beantwortet worden. Man muss nur noch zusammenaddieren. Es muss mit den ersten
Maßnahmen in den nächsten Monaten begonnen werden. Daher sind über- bzw.
außerplanmäßige Mittel dringend erforderlich.
Schlussfolgerungen
im Telegrammstil (auch als Grundlage für einen Antrag im Rat
am 29.6.2001 gedacht):
Die erforderlichen Maßnahmen zur Stadtteilerneuerung in Neuss-Erfttal
müssen schnellstmöglich begonnen werden. Eine längere Planungsphase kann
angesichts des langen Vorlaufs von Arbeitskreissitzungen, Zukunftswerkstatt und
Votum nicht vertreten werden. Es besteht nach der langwierigen
Vorbereitungsphase eine große Erwartungshaltung!
Die Verwaltung wird daher aufgefordert, die wirklich wichtigen Projekte, so,
wie sie vorstehend angesprochen sind, voranzutreiben und dabei mit einer
Arbeitsgruppe des Stadtrates zu kooperieren. Zu dieser Arbeitsgruppe sollten auf
jeden Fall Vertreter der Bürgerschaft von Erfttal gehören.
Es wird im Übrigen als zweckdienlich erachtet, die
Stadtteilmanagementaufgaben dem SKM zu entziehen. Dies deshalb, weil die im
letzten Jahr erbrachten Dienstleistungen eine Fortsetzung dieser Tätigkeit
wenig sinnvoll erscheinen lassen. Das örtliche Management hat es nicht
verstanden, die Bevölkerung zu motivieren, sich in die Erneuerungsarbeit
einzubringen. Es reicht völlig aus, eventuell notwendige Abstimmungsprozesse
mit der Arbeitsgruppe des Rates bzw. der Trägerkonferenz in Erfttal
vorzunehmen. Durch die freiwerdenden Personalkräfte des SKM, die bisher
Managementaufgaben wahrgenommen haben, sollten Aufgabenstellungen in der
Jugendbetreuung (Kontakt Erfttal) abgedeckt werden (in Ergänzung der
Streetworkeraktivitäten).
Die Verwaltung sollte aufgefordert werden, der Arbeitsgruppe des Rates ganz
gezielt darüber zu berichten, in welchem Umfange bisher (dem SKM) Mittel
bewilligt worden und für welche Zwecke sie verwandt worden sind. Der
Trägerkonferenz in Erfttal ist bisher nicht dargelegt worden, für welche
Zwecke Mittel konkret zur Verfügung standen bzw. für welche Zwecke sie dann
ausgegeben worden sind. Auch die Aufwendungen für die beteiligten Firmen, Pesch
& Partner bzw. OPUS, sollten in diesem Zusammenhang offen gelegt werden.
Die Verwaltung wird beauftragt, im bereits laufenden Haushaltsjahr 2001 einen
Betrag von 500.000 DM über- bzw. außerplanmäßig für die Stadtteilerneuerung
vorzusehen, und zwar durch Einsparungen bzw. Ausgabenverschiebungen an anderer
Stelle (nach 2002). Es kann nicht angehen, die Stadtteilerneuerung in Erfttal
weiter hinauszuzögern. Es muss der Erfttaler Bevölkerung, die in großen
Teilen schon resigniert hat, gezeigt werden, dass die Stadt Neuss willens und
fähig ist, die erforderliche Erneuerungsarbeit jetzt und nicht erst in 2002 in
Gang zu bringen.
Zusammenstellung: