"Zukunftswerkstatt" stellte Prioritätenliste vor
Von Christoph Pütz
Die "Zukunftswerkstatt" für Erfttal, an der sich am Wochenende
mehr als 100 Bürger, Verwaltungsexperten, Politiker, Kirchen und Vereine mit
Vorschlägen und Ideen beteiligten, stellte am Montag erste Ergebnisse vor.
Erster Beigeordneter Peter Söhngen präsentierte eine Liste mit 13 Punkten.
Erste Priorität: Betreuung junger Menschen auf der Straße - unter anderem
durch Streetworker.
Bis zum 8. Juni wird das Bürgervotum für die Entwicklung Erfttals
schriftlich ausformuliert; in der Sitzung des Rates am 29. Juni sollen der
Bericht präsentiert und die ersten Weichen gestellt werden. "Das
wichtigste der 'Zukunftswerkstatt' ist: Die Bürger sollen selbst darstellen: Wo
drückt uns der Schuh? Wo soll die Reise hingehen?" fasste Söhngen die
Aufgabenstellung zusammen. Seine nach eigenem Bekunden "anfänglich große
Skepsis" dem Projekt gegenüber habe sich nach diesem Wochenende ins
Gegenteil gekehrt.
Die Bürger hatten nach demokratischer Abstimmung eine Prioritätenliste mit
13 Punkten ausgearbeitet. Für jeden einzelnen Punkt hat sich ein
"Pate" bereiterklärt, die weitere Entwicklung zu koordinieren und den
nötigen Nachdruck zu verleihen, damit das Anliegen nicht im Sande verläuft. An
oberster Stelle: Die Betreuung junger Menschen auf der Straße und der Einsatz
von Streetworkern. "Dieses Problem bereitet den Erfttalern am meisten
Kopfschmerzen und hat die höchste Dringlichkeit", wusste Söhngen
zusammenfassend aus Gesprächen mit Bürgern Erfttals zu berichten.
Zweitwichtigster Punkt: Die Aktion "Ich lerne Deutsch" und die
Gestaltung nationaler Abende. "Wir müssen dringend an das Problem der
'Sprachlosigkeit' herangehen. Wer kein Deutsch kann, findet keinen
Arbeitsplatz", brachte Söhngen die Fakten auf den Punkt. Die
"Zukunftswerkstatt" hatte auch vorgeschlagen, Feiern unter den Mietern
eines Wohnblockes zu initiieren, damit die Nationen gemischt und die
Sprachbarriere überwunden werden könne. Unter dem Slogan "Kinder von der
Straße!" soll die sogenannte "Tagesobdachlosigkeit" bekämpft
werden. Ebenfalls auf der Liste: Ein Wohnungs-Belegungsmanagement, um die
Diskrepanz zwischen Sozialhilfeempfängern und Verdienenden in den Griff zu
bekommen; eine attraktive und funktionsfähige Ortsmitte zu bauen;
Dreck-weg-Aktion; Erfahrungsbörsen für Jugendliche.
Auch CDU-Ratsmitglied Heinz Sahnen begrüßte die "Zukunftswerkstatt
Erfttal". Indem Bürger Patenschaften für die einzelnen Punkte übernommen
hätten, sei vor allem gewährleistet, dass beharrlich an den Vorhaben
gearbeitet und das Ziel nicht aus den Augen verloren werde. In der Frage der
Sprachkurse zeichnete Sahnen ein positives Bild: "Bei einer Umfrage unter
rund 80 Russlanddeutschen in Erfttal ist herausgekommen, dass der überwiegende
Teil am Erlernen der deutschen Sprache interessiert ist".
Auch Kritik an der "Zukunftswerkstatt" wurde gestern laut. So
forderte der Erfttaler Bürger Werner Schell, die Prioritätenliste "über
Bord zu werfen" und alle Probleme gleichrangig zu behandeln. "Bei den
Diskussionsgruppen ging es 'hopplahopp', so sind viele Aspekte und Ideen
verlorengegangen oder verzerrt worden", monierte Schell. So sei die
Lärmbelästigung durch die Landstraße L 142 kaum berücksichtigt, obwohl sie
ein gravierendes Problem darstelle. Außerdem sei das Ergebnis der
"Zukunftswerkstatt" schon allein deshalb verzerrt, weil nur rund ein
Drittel der Beteiligten Erfttaler seien. "Man kann nicht alle auf einen
Nenner bringen", konterte Söhngen und verwies darauf, dass die
Prioritätenliste bei der Abstimmung eine demokratische Mehrheit gefunden habe.
Quelle: Bericht der Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 22.05.2001 (Lokalteil Neuss)