Bürgermeister Herbert Napp stattete den Erfttalern einen Stadtteil-Besuch ab / Nur wenige Bürger kamen

„Erfttal ist viel besser als sein Ruf"

Erfttal. „Nicht mehr so viele Besoffene herumlaufen lassen, und zuviele Bierflaschen liegen überall herum" - das war nur einer der Wünsche, den die Erfttaler zur Begrüßung von Bürgermeister Herbert Napp auf T-Shirts gemalt und an einer Leine aufgehängt hatten. Napp war im Rahmen der Stadtteilbesuche gemeinsam mit mehreren Verwaltungsmitarbeitern nach Erfttal gekommen, um sich vor Ort über Ideen und Probleme zu informieren, welche die Erfttaler beschäftigen.

Abgesehen von der T-Shirt-Kette drehte sich das Gespräch bei seiner ersten Station in Erfttal-West in erster Linie um den Spielplatz an der Parisstraße. Ein Anwohner beklagte sich über ständigen, auch nächtlichen Lärm durch Jugendliche, die sich auf dem Kinderspielplatz regelmäßig ausstoben. Denn der Anwohner hat sein Wohnzimmer nur wenige Meter von dem Spielplatz entfernt. Doch Napp brauchte zunächst gar nicht Rede und Antwort zu stehen, denn Nachbarn ergriffen das Wort, wiesen darauf hin, dass der Spielplatz schon im Bebauungsplan angekündigt wurde und somit auch dem Ruhegestörten vor dem Bau seines Hauses bekannt war. In diesem Fall blieb der Handlungsspielraum von Napp begrenzt: „Wir können die Kinder nicht in die Wallachei schicken", so Napp, denn eine Verlegung des zentralen Spielplatzes mache keinen Sinn. Sofort einschreiten will die Verwaltung in folgenden Punkten: Ein Abfalleimer wird aufgestellt, das zerrissene Stahlseil des Spielgerüstes wird erneuert und das zu hohe Gras gemäht.

Waren in Erfttal-West noch rund 20 Bürger der Einladung des Bürgermeisters gefolgt, blieb die rund 30-köpfige Verwaltungs- und Entscheidertruppe am zweiten Treffpunkt am Einkaufszentrum an der Euskirchener Straße weitgehend unter sich: Nur drei Erfttaler mischten sich etwas verschüchtert unter die Wartenden. Davon brachte einer zum Ausdruck, sich seit 20 Jahren sehr wohl in Erfttal zu fühlen und mehr unter dem schlechten Image als unter vermeintlich schlechten Bedingungen des Ortsteiles zu leiden. Bei der Frage nach weiteren Baumöglichkeiten und einer Hauptschule für Erfttal musste Napp gleich abwinken - beides ist nicht vorgesehen.

Mittelfristig wird allerdings doch neuer Wohnraum entstehen. Denn die beiden Häuser Harffer Straße 2 und 4 werden abgerissen, mehr als 20 Wohnungen in Eigenheimen dort erreichtet. Wann das passiert, konnte Klaus Harnischmacher, Vorstandsvorsitzender des Neusser Gemeinnützigen Bauvereins, nicht sagen: „Wir können die Häuser erst abreißen, wenn sie leergezogen sind. Wann das ist, weiß ich nicht - ich hoffe, möglichst bald.". Schon im Mai dieses Jahres waren knapp die Hälfte der 46 Familien aus den beiden Hochhäusern ausgezogen. Da der Bauverein den jetzigen Mietern jeweils drei Alternativ-Wohnungen anbieten muss, wird der ursprünglich geplante Termin zur Jahresmitte nicht gehalten werden können.
cp

Porträt: Werner Schell

Werner Schell ist Erfttaler der ersten Stunde, bezog schon 1971 sein Domizil an der Harffer Straße. Gemeinsam mit seiner Frau und den heute 31 Jahre alten Zwillingen hatte sich der einstige Mitarbeiter des Wissenschaftsministeriums in Erfttal niedergelassen: „Ich habe mir damals verschiedene Wohngebiete rund um Düsseldorf angesehen. Erfttal hat mir am besten gefallen - schon allein wegen der optimalen Verkehrsanbindung", erklärt Schell.
Und bis heute hat er seine Entscheidung nicht bereut. Früher ist der heutige Pensionär fast täglich durch Erfttal gejoggt: „Gleich von meiner Haustür aus bis zum Norfbach und zurück war meine Lieblingsstrecke." Die Sportschuhe hat er heute zwar an den Nagel gehängt, gleichwohl dreht er immer noch regelmäßig seine Runden in Erfttal - und zwar mit seinen Enkelkindern.
Schell ist übrigens als Buchautor äußerst erfolgreich: Insgesamt 15 Titel aus dem Bereich Patientenrecht hat er bisher veröffentlicht - sein erfolgreichstes schon in der 11. Auflage mit rund 200.000 verkauften Exemplaren. Und in der wenigen Freizeit macht sich der „Urerfttaler" Werner Schell durch seine Internetseite www.neuss-erfttal.de für das Gemeinschaftsleben verdient. Denn dort sind Termine, Diskussionsforen und Informationen rund um den Ort im Neusser Süden immer auf dem neuesten Stand.
cp

Quelle: Neuss-Grevenbroicher Zeitung (NGZ) vom 17.5.2001 (Lokalteil)

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