Erfttaler äußerten ihre konkreten Wünsche
Stadtteilentwicklung Erfttal / Zukunftswerkstatt tagte am Wochenende

Erfttal. Gemeinsam mit über 100 Bürgern fanden sich am Wochenende Vertreter aus Verwaltung, Politik, Wohnungswirtschaft, Kirchen und Initiativen zu einer Zukunftswerkstatt im Erfttaler Bürgerzentrum ein. Diskutiert wurden die für den Stadtteil wichtigen Handlungsbereiche. Probleme von Jugendlichen, aber auch die bauliche Entwicklung standen bei den Gesprächen und Vorarbeiten der Arbeitsgruppen an oberster Stelle. Aus einer Fülle von Ideen, Projekten und Vorschlägen einigten sich die Teilnehmer darauf, zunächst einmal 15 Projekte in einer „Schatzkiste" zusammenzufassen, die nunmehr den Kern des Paketes Erfttalt darstellt. Für jede Aktion wurden verbindliche Patenschaften festgelegt. Die Patenschaft für das Gesamtpaket übernahm der Landtagsabgeordnete und Erfttaler Bürger Heinz Sahnen.

Auf Rang 1 des Ideenkatalogs steht die Betreuung junger Menschen auf der Straße, die mit dem Einsatz von Streetworkern aktiv unterstützt werden sollen. Ebenso sollen für die Probleme der Jüngsten, die derzeit in einer Art Tagesobdachlosigkeit auf sich alleine gestellt sind, Lösungsansätze gesucht und umgesetzt werden. Hierbei beklagte die Arbeitsgruppe „Die Klinke" die schlechte Resonanz auf die vielfältigen Angebote von Stadt und freien Trägern für Kinder und Jugendliche.

Das Projekt der Schulwerkstatt „Blitz" befasst sich mit der Schulmüdigkeit der jugendlichen Bürger. Gemeinsam mit der benachbarten Hauptschule Gnadentaler Allee, dem Sozialdienst Katholischer Männer, dem Jugendamt und der Stadtverwaltung werden frühzeitig Maßnahmen gegen einen Ausstieg aus der Schullaufbahn entwickelt. Schwerpunkt der Arbeit ist die Förderung von Akzeptanz, Toleranz, Streitkultur und gesellschaftlichen Umgangsformen. Die Gründe, die zu Schuleschwänzen und Passivität im Unterricht führen, seien vielschichtig, so Klaus Winkels vom Kontakt Erfttal. Nicht selten, erklärt er, bilden sprachliche Defizite ein Handicap.

In der Sprachproblematik sehen auch Heinz Sahnen und Peter Söhngen (Erster Beigeordneter Stadt Neuss) ein großes Manko des multikulturellen Stadtteils. „Förderlich für ein gutes Miteinander wären Mietgemeinschaften, die gemeinsame Festivitäten abhalten oder in Initiativen ihre Wünsche anbringen. Dies scheitert jedoch oftmals an Sprachschwierigkeiten der ausländischen Bürger", so Söhngen. Mit diversen Angeboten wie der Gestaltung nationaler Abende und einem Ausbau an Sprachkursen soll dies in Zukunft geändert werden.

Neben weiteren Projekten für Jugendliche und Frauen stand eine attraktive und funktionsfähige Ortsmitte als ein zu behandelnder Punkt in der „Schatzkiste". Helga Pollack stellte einen Zielkatalog für eine Neugestaltung des Einkaufszentrums und einen Marktplatz für Erfttal vor. Der erste Schritt mit dem Abriss der beiden Wohnblocks an der Harffer Straße 2 und 4 ist bereits geplant. In weiteren Schritten sollte das direkte Umfeld der Einkaufsmöglichkeiten auf der gegenüberliegenden Seite der Euskirchener Straße entwickelt werden.

Auf einer Sitzung des Rates sollen am 29. Juni alle Punkte vorgestellt und Weichenstellungen vorgenommen werden. In den nächsten Wochen und Monaten werden die Arbeitsgruppen an der Ausgestaltung ihrer Projekte arbeiten, in der Öffentlichkeit werben und an weitere Kreise der Erfttaler Bevölkerung herantragen.

Die große Resonanz auf die Zukunftswerkstatt freute die Akteure, dennoch wurden auch kritische Stimmen laut. Die Arbeitsgruppe „Freizeit und Kultur" sowie einzelne Bürger fühlten sich mit ihren Anliegen unverstanden und baten um nochmalige Gespräche. Gerade das Thema „Lärm" schien am Wochenende wenig Gehör gefunden zu haben. Beklagt wurde das Abholzen von 83 Bäumen, die den Erfttalern bisher als Lärm- und Blickschutz zur angrenzenden Straße gedient hatten.

Anja Rehm

Quelle: Lokal-Anzeiger Neuss - Kaarst vom 25. Mai 2001

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