„Auf der Suche“ - Gedanken von Heinz Sahnen, Mitglied im Kirchenvorstand St. Cornelius

Moderator: WernerSchell

Gesperrt
WernerSchell
Administrator
Beiträge: 1947
Registriert: 09.12.2013, 08:22

„Auf der Suche“ - Gedanken von Heinz Sahnen, Mitglied im Kirchenvorstand St. Cornelius

Beitrag von WernerSchell » 01.08.2019, 06:50

„Auf der Suche“

von Heinz Sahnen, Mitglied im Kirchenvorstand St. Cornelius

Bild

Eine gewisse Unruhe und Unsicherheit ist in Politik und Gesellschaft – und auch in der Kirche – spürbar. In der Politik sind die traditionellen politischen „Koordinaten“ spätestens seit den Wahlen zum Europaparlament am 26. Mai 2019 verändert und die politischen Parteien sind „auf der Suche“ nach ihrem Weg in die Zukunft.

Die „Suche“ nach dem richtigen Weg ist spannend und bewegt die Menschen. Die recht hohe Wahlbeteiligung und auch die „fridays for future Bewegung“ verdeutlichen, dass die Bürgerschaft, und hier vor allem auch die Jugend, mitgestalten will. Dies ist gut so, denn sowohl das Klima, das Zusammenleben der Menschen und die wirtschaftliche und soziale Zukunft betreffen uns alle und sind nach demokratischen Regeln zu gestalten.

Digitalisierung, Klimawandel, Pflegenotstand und fehlende Wohnungen, dies sind nur einige Stichworte, die das „Suchen nach zukünftigen Wegen“ aufzeigen. Deshalb sollte man die einleitend angesprochene politische Unruhe als Chance für verantwortungsvolle Veränderungen und notwendige Korrekturen verstehen. Politik ist auch immer das „Suchen“ nach zukünftigen Wegen.

Der auffallende Rückgang der Zahlen von sonntäglichen Kirchenbesuchern, die prognostizierte Halbierung der Kirchenmitglieder in Deutschland bis zum Jahr 2060, der dramatischen Priestermangel – im Bistum Aachen gibt es in diesem Jahr nur einen Neupriester, wie die NGZ am 8.Juni 2019 berichtete – und der insgesamt spürbare Vertrauensverlust der Kirche, müssen das „Suchen“ nach der Zukunft der katholischen Kirchen höchste Priorität beimessen.

Hoffnungsvoll ist in diesem Zusammenhang, dass auch die Katholiken von einer spürbaren Unsicherheit und Unruhe getrieben werden. Die aktuelle Bewegung „Maria 2.0“ ist hierfür ein Beleg. Ebenso ist auch das ernsthafte Ringen der letzten Bischofskonferenz im März 2019 in Lingen/Ems. Auch die in diesem Zusammenhang vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken formulierten Forderungen nach Veränderungen in der Kirche sind Ausdruck des „Suchens“ nach Wegen in die Zukunft. In der Bischofskonferenz wurden zwar zentrale Themen angesprochen, aber auf Beschlüsse, die Wege in die Zukunft aufzeigen könnten, hat man offensichtlich im Spannungsfeld von konservativen und fortschrittlichen Mitgliedern noch keine Einigung gefunden. Die Bischöfe verständigten sich jedoch auf einen gemeinsamen „synodalen Weg“, was auch immer das bedeuten mag. Wo bleibt hier Mut und Verantwortung?

Ulrich Waschki, Chefredakteur der Verlagsgruppe Bistumspresse kommentiert im Vorfeld des diesjährigen Pfingstfestes: „Pfingsten, das ist so etwas wie der Geburtstag der Kirche: Die Jünger empfingen den Heiligen Geist und schwärmten gestärkt aus, um die frohe Botschaft in der ganzen Welt zu verkünden und Menschen um sich zu sammeln. Heute fällt die Geburtstagsfeier eher getrübt aus. Die Kirche scheint in die Jahre gekommen zu sein. Immer weniger Menschen in Deutschland lassen sich von der frohen Botschaft ansprechen.“ In den Vorbereitungen der im Oktober im Vatikan stattfindenden „Amazonas-Synode“, einer weltweiten Bischofskonferenz mit dem Schwerpunktthema „Südamerika“, sieht der Journalist allerdings einige Hinweise auf Veränderungen. Denn inzwischen sprechen sich eine Reihe von Priestern und Bischöfen öffentlich u.a. für die Priesterweihe für Frauen aus.

Weiter schreibt Waschki: „Vielleicht hilft es, nach Veränderungsmöglichkeiten unterhalb der ganz großen Fragen zu suchen. Ein Fortschritt wäre etwa eine echte und verbindliche Teilung der Macht – dass Diözesanräte oder Pfarrgemeinderäte nicht nur beraten, sondern entscheiden können. Ebenso bei den Finanzen: Es würde die geistliche Vollmacht eines Pfarrers nicht beschneiden, wenn nicht er, sondern ein gewählter Laie den Vorsitz im Verwaltungsrat seiner Pfarrei hätte. Sinnvoll sind auch alternative Leitungsmodelle, die in einigen Diözesen bereits getestet werden. Dabei übernehmen haupt- oder ehrenamtliche Laien Verantwortung, die früher Priestern vorbehalten war. Diese Modelle sind zwar aus der Not des Priestermangels geboren, sie können aber zu einem neuen Miteinander von Laien und Priestern führen.“ (Quelle: Katholisch.de)

Natürlich ist auch der Priestermangel in unserem Gemeindeverband und im Sendungsbereich spürbar. Wie wäre es, wenn in diesem Kontext die partnerschaftliche Zusammenarbeit von hauptamtlichen Mitarbeitern des Seelsorgeteams mit ehrenamtlichen Laienvertretern auf eine verbesserte Grundlage gestellt würde? Wertschätzung der ehrenamtlichen Arbeit, gegenseitiges Vertrauen, Offenheit und vor allem Kommunikation sind hierfür notwendige Voraussetzungen. Dass an der letzten „offenen Runde“ (als Nachfolgegremium für den Pfarrgemeinderat) nach dem Gottesdienst in St. Cornelius kein Vertreter des Seelsorgeteams teilnahm, kritisiere ich. Aus meiner Sicht wird eine Chance bei der „Suche nach Wegen in die Zukunft“ vertan.

„Auf der Suche“ beinhaltet auch das Bemühen um verlässliche und dauerhafte Ansprechpartner von Personen aus dem Seelsorgeteam. Zu überlegen wäre deshalb, den Seelsorgern nicht eine bestimmte Zielgruppe (z.B. Senioren, Messdiener usw.) im Gemeindeverband zuzuordnen, sondern für jede Pfarrgemeinde einen verantwortlichen Seelsorger zu benennen. So könnte die Bindung zu den Gemeindemitgliedern erhalten bleiben oder sogar noch vertieft werden kann.

„Auf der Suche“, das ist Herausforderung an alle Katholiken in unserer Gemeinde St.Cornelius und im Gemeindeverband „Rund um die Erftmündung.“ Ich rege eine „Synode“ auf örtlicher Ebene an und verweise auf die Erfahrungen eines Werkstattgesprächs, das im Jahr 2003 im Bürgerhaus Erfttal stattfand. Seiner Zeit suchte man nach Wegen, um erkennbaren sozialen Fehlentwicklungen im Stadtteil entgegen zu wirken. Die Ergebnisse dieses großen Bürgerdialogs, der seinerzeit von externen Fachleuten moderiert wurde, sind heute noch Grundlage der Quartiersarbeit im Stadtteil. Die Pfarrgemeinde sollte einen ähnlichen Dialog organisieren, an dem viele Gemeindemitglieder, Vereine, Gruppen, Initiativen wie Seniorennachmittag, die Kita, Theaterkreis, Messdiener, Kommunionhelfer, Katecheten, Religionslehrer aus Schulen, Vertreter der Ökumene, etc. und natürlich das hauptamtliche Seelsorgeteam teilnehmen. Gemeinsam sollten wir den Weg in die Zukunft suchen. Der zu erwartenden skeptischen Einschätzung von Erfolgen – das bringt ja nichts - sollte man zumindest mit einem optimistischen Versuch entgegentreten.

Reformen in der katholischen Kirche bedeutet „das Bohren von sehr, sehr dicken Brettern!“ Die Hoffnung sollte man allerdings nicht aufgeben. Ermutigung erfahren wir im Kehrvers nach der ersten Lesung im Gottesdienst: „Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.“ (Gotteslob Nr. 312).

Quelle: Pfarrbrief St. Cornelius - 2019

Gesperrt