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06.01.2026
An
• Bundesgesundheitsministerium
• Pflegebevollmächtige der Bundesregierung
• Patientenbeauftragter der Bundesregierung
• … und weitere Adressaten …
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe mich am 09.12.2025 – als Verantwortlicher von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk mit einem umfänglichen Statement zur pflegerischen Versorgung bzw. zum Gesundheitswesen zu Wort gemeldet. Dabei wurde auch auf meine Zuschrift vom 09.07.2025 Bezug genommen, mit der ich ebenfalls auf die Versorgungsproblematik eingegangen bin. – Dazu gab es Rückmeldungen der Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung (10.12.2025) und des Bundesgesundheitsministeriums (19.12.2025). Konkrete Reformerwägungen wurden aber in diesen Zuschriften nicht verdeutlicht. Allerdings machte die Pflegebevollmächtigte darauf aufmerksam, dass die Stärkung der häuslichen Pflege und die Prävention gestärkt werden müsse. Immerhin …
Es wurden mit meinen o.a. Zuschriften zum wiederholten Male die immensen seit vielen Jahren bestehenden Reformnotwendigkeiten im Pflegesystem angesprochen und folgerichtig nochmals Handlungsanforderungen aufgezeigt sowie vertiefende Erläuterungen auf Gesprächsbasis angeboten. – Siehe insoweit … > https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... f=5&t=1490 Auf diese Gesprächsangebote sind die o.a. Rückmeldungen aber nicht eingegangen. – Ein vertiefendes Gespräch kann aber nur hier vor Ort stattfinden, da ich durch die gesundheitlichen Folgen eines Sturzes am 16.01.2025 in meiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt bin.
Nach Abfassung meines Statements vom 09.12.2025 wurden die Ergebnisse der Bund-Länder-Arbeitsgruppe Zukunftspakt Pflege bekannt … > https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... f=5&t=1493
Dazu haben sich spontan die Opposition, mehrere Krankenkassen und zahlreiche Verbände zu Wort gemeldet: Danach ist davon auszugehen, dass der Bericht der Bund-Länder-AG „Zukunftspakt Pflege“ überwiegend kritisiert und als unzureichend bezeichnet wird. Es wird u.a. von einem Papier voller Andeutungen ohne Verbindlichkeit gesprochen.
Die DAK Gesundheit hat sich in einer Presseinfo vom 11.12.2025 klar positioniert und u.a. ein Statement ihres Vorstandschefs Andreas Storm vorgestellt mit dem Tenor: „Die Krise verschärft sich weiter.“ - Nach der DAK Gesundheit sind die von der Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“ vorgestellten Ergebnisse eine bittere Enttäuschung. Die Kommission sollte die Blaupause für eine große Pflegereform liefern. Stattdessen hat sie ein unverbindliches Sammelsurium aller denkbaren Reformoptionen vorgelegt, ohne einen einzigen konkreten Beschlussvorschlag zur Bewältigung der Finanzkrise. Heute sind wir von einer Lösung und einer nachhaltigen Reform der sozialen Pflegeversicherung weiter entfernt als zum Zeitpunkt der Einsetzung der Kommission im Sommer. Ein Ausweg aus der Finanzkrise ist mit dem heutigen Tag noch ein Stück unwahrscheinlicher geworden.
Der Deutsche Pflegerat vermisst klare politische Entscheidungen: Der "Zukunftspakt" beschreibe zwar viele seitlangem bekannte Probleme, die Lösungsvorschlägen seien aber zu unverbindlich.
Aus Sicht der Caritas wären rund 5 Mrd. Euro zusätzlich aus dem Bundeshaushalt notwendig. Die Vorschläge zeigten nicht, wie der Beitragssatz stabil bleiben und die Pflegeversicherung generationengerecht finanziert werden könne, so BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat laut PKV-Newsletter vom 18.12.2026 im Bundestag seine Unzufriedenheit mit der Bund-Länder-Gruppe zur Pflegeversicherung zum Ausdruck gebracht. Das Gremium habe seine Arbeit "mit einem nicht befriedigenden Ergebnis" beendet, mit dem er nicht einverstanden sei. Die Ergebnisse würden "nicht ausreichen, um die Pflegeversicherung auf Dauer zukunftsfähig zu gestalten". Er fordert eine Reform 2026, die auch dem Anspruch eines menschenwürdigen Lebens im Alter gerecht wird.
Der Spitzenverband der Krankenkassen drängt auf Reformen in der Pflege und warnt vor drohender Zahlungsunfähigkeit in 2026. "Die Pflegeversicherung lebt auf Pump mit Darlehen des Bundes in Höhe von mittlerweile 4,2 Milliarden Euro", sagte der Vorstandschef des Spitzenverbandes der Krankenkassen, Oliver Blatt, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Das deckt 2026 zwar annähernd das Defizit, allerdings nur rein rechnerisch", fügte er hinzu.
Der GKV-Vorstandschef Blatt fordert Verschärfungen bei Anerkennung und Einstufung der Pflegebedürftigkeit (Quelle: https://www.br.de/nachrichten/deutschla ... it,V6eMRDK ).
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk sieht die Ergebnisse der Bund-Länder-Arbeitsgruppe Zukunftspakt Pflege ebenfalls als völlig unzureichend und wenig hilfreich an.
Wie es scheint, ist eine grundlegende Reform der Pflegeversicherung auch von der jetzigen Bundesregierung nicht zu erwarten. Ähnliches gilt für das Gesundheitswesen. Allein auf Beitragsstabilität zu setzen, wird die Versorgungsprobleme nicht lösen. Notwendig ist z.B., die Kosten der pflegebedürftigen Personen Versorgung in allen Versorgungsbereichen deutlich zu reduzieren. Es kann und darf z.B. nicht sein, dass die Eigenanteile bei einer Heimversorgung schon 4.000 Euro / Monat und mehr betragen. Sie führen schnell zu einer totalen Verarmung selbst bei denen, die über die Jahre vorgesorgt habe.
Es muss auch endlich an bundesweit wirksamen Konzepten gearbeitet werden, wie der Fachkräftemangel in der Pflege behoben werden kann.
Die Erwartung, mit der illegalen Migration dieses Problem zu lösen, ist ein Irrglaube. Bezüglich des weiter zunehmenden Pflegekräftebedarf (siehe Babyboomer-Problematik) muss einwanderungsrechtlich an entsprechende Anwerbemaßnahmen im Rahmen einer auf Integration abgestellten Einwanderungspolitik gedacht werden.
Es muss auch deutlich mehr ausgebildet werden. Dabei ist auch zu bedenken, dass die bisher in die Pflegeausbildung einsteigenden jungen Menschen nach aktuellen Berichten fast zu einem 1/3 vorzeitig die Ausbildung aufgeben. Dies hat möglicherweise damit zu tun, dass allzu viele in eine Pflegeausbildung gedrängt werden, ohne dass eine entsprechende Eignung, auch in sprachlicher Hinsicht, gegeben ist.
Das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege wird keine Probleme im Pflegesystem lösen. Eher neue schaffen. … > https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... f=4&t=1453
Notwendig ist im Übrigen, die häuslichen Versorgung pflegebedürftiger Menschen deutlich zu stärken. Von hier wird seit weit über 15 Jahren die Einrichtung von unterstützenden Quartiershilfen, nahe bei den Menschen, eingefordert. Musterhaft habe ich mit dem hiesigen SKM insoweit (ohne Finanzmittel) ein Projekt angestoßen, das jetzt in der Stadt Neuss mit 12 Lotsenpunkten eine Fortsetzung erfahren hat. Das ist aber mangels auskömmlicher personeller und finanzieller Ausstattung noch völlig unzulänglich. Insoweit muss erheblich mehr passieren, um den pflegebedürftigen Menschen ein langes Leben in der eigenen Häuslichkeit zu ermöglichen.
Die Kommunen müssen u.a. wegen der Gestaltung von Quartiershilfen in die Pflicht genommen werden, ohne dass bei der Gestaltung von Unterstützungssystemen bürokratische Monster geschaffen werden (mit schriftlichen Antragsverfahren usw. geschaffen – so im Rhein-Kreis Neuss). Dabei sollte auch an die Einrichtung von lokalen Pflegenotrufsystem gedacht werden mit schnellstmöglicher Hilfestruktur.
Der Anteil derer, die in stationären Pflegeeinrichtungen versorgt werden müssen, sollte nicht steigen.
Nach aktueller Einschätzung läuft die „Babyboomer-Generation, wenn nicht schnellstens wirkungsvoll reformiert wird, blind in eine Pflege-Katastrophe. Studie identifiziert Jahrhundertproblematik“ … > https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... 5741#p5741
In einem Gastkommentar für das Handelsblatt äußerte sich BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter "5 Lebenslügen der Deutschen“. U.a. nennt er die Leistungskraft der Sozialsysteme: "Über Jahre wurden Leistungen ausgeweitet, ohne tragfähige Finanzierungskonzepte. Das verschiebt Probleme - und verschärft sie", so Kampeter. "Je länger notwendige Reformen vertagt werden, desto drastischer werden die Korrekturen ausfallen." Nun gehe es um "mehr Treffsicherheit, weniger Komplexität und mehr Generationengerechtigkeit". Quelle: PKV-Newsletter vom 06.01.2026
Wer soll uns in Zukunft pflegen? - Herausforderung für die ganze Gesellschaft. - Die Sendung LEBENSZEIT im Deutschlandfunk informierte am 27. Februar 2015 von 10:10 Uhr – 11:30 Uhr. Im Studio u.a. Karl-Josef Laumann, damals Pflegebeauftragter der Bundesregierung, und Werner Schell – Sendung weiterhin abhörbar unter … > https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzw ... pflege.mp3 - Die vor über 10 Jahren getroffenen Feststellungen, einschließlich Hinweise auf den Erfttaler Lotsenpunkt, sind auch heute im Kern noch zutreffend. Es besteht unverändert erheblicher Handlungsbedarf.
Prof. Dr. Thomas Klie hat übrigens in seinem 2014 erschienenen Buch „WEN KÜMMERN DIE ALTEN“ seine Antwort auf den Pflegenotstand gegeben. Er sprach von einem Modell einer sorgenden Gesellschaft, in der Nachbarschaften und Familien mit Unterstützung der Kommune neue Formen sozialer Verantwortung entwickeln. Die menschenwürdige Versorgung alter Menschen kann nach seiner Überzeugung nur gelingen, wenn alle Generationen und Gruppen der Gesellschaft Verantwortung übernehmen. Damit war Klie nahe bei dem, was auch von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk gefordert wurde – und auch weiterhin gefordert wird.
Zum Thema „Gestaltung von ortsnahen Unterstützungsstrukturen für pflegebedürftige Menschen und der Angehörigen (Quartiershilfen)“ war für den 06.05.2020 ein Pflegetreff in Neuss-Erfttal geplant, bei dem die entsprechenden Handlungserfordernisse mit kompetenten Podiumsgästen nochmals verdeutlicht werden sollten. U.a. hatte Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, seine Teilnahme zugesagt. Leider musste der Treff aber wegen der Coronapandemie abgesagt werden. … > https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... =7&t=23481 Die seinerzeit unter dieser Adresse zusammen gestellten umfänglichen Informationen sind weiterhin aktuell.
Zu den Bedürfnissen älterer Menschen im Quartier siehe auch unter … > https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzw ... 082015.pdf
Der Sozialverband VdK sieht aktuell auch Lösungen für den Pflegenotstand in den Städten und Gemeinden. Die sollten, ähnlich wie in Dänemark, eine größere Rolle bei der Pflegeversorgung spielen (Quelle: Zeitschrift „care konkret“, Ausgabe vom 02.01.2026). Damit wird die seit vielen Jahren von hier vertretene Auffassung bezüglich der Gestaltung von Quartiershilfen in den Kommunen untermauert.
Auch die Pflegegrade gehören auf den Prüfstand. Es kann und darf nicht sein, dass wegen geringer gut beherrschbarer Einschränkungen gleich eine Pflegegradzuordnung erfolgen kann. Ja, insoweit muss es zu Gunsten der schwer pflegebedürftigen Menschen zu Veränderungen kommen. Darauf wurde bereits im Rahmen der Neuordnung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes bei mehreren Pflegetreffs (u.a. mit Dr. Pick / damals MD) aufmerksam gemacht.
Die seit Jahren zu beobachtende massive (explosionsartige) Zunahme von Personen mit einem niedrigen Pflegegrad muss als problematisch angesehen werden. Korrekturbedarf ist trotz entsprechender Proteste verschiedener Interessenverbände naheliegend. Der GKV-Vorstandschef Blatt forderte daher Ende 2025 eine Verschärfung bei Anerkennung und Einstufung der Pflegebedürftigkeit.
Wenn darüber berichtet wird, dass rd. 86% der pflegebedürftigen Menschen zu Hause gepflegt werden, muss das relativiert werden. Angesichts der bereits ausgeführten Neuordnung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes und der damit verbundenen Ausweitung der Pflegegradzuordnungen, muss davon ausgegangen werden, dass eine Vielzahl der nun als pflegebedürftig bezeichneten Personen überhaupt keine Pflege durch professionelle Pflegedienste oder durch Angehörige benötigen; mit gegebenen leichteren Einschränkungen (gut) zurechtkommen.
Es erscheint nach all dem geboten, noch einmal auf die Pflegenot und die Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen aufmerksam zu machen. Näheres ist u.a. dem Statement vom 09.12.2025 zu entnehmen. Wie schon erwähnt, kann alles gerne in einem Gespräch vertieft werden.
Ganz wichtig ist ohne Zweifel auch, bei all den notwendigen Korrekturen, die Prävention zu stärken. Dem 2015 verabschiedeten Präventionsgesetz und den einschlägigen Vorgaben im SGB V muss endlich mehr Geltung verschafft werden. Es erscheint notwendig, neben einigen bescheidenen Präventionsangeboten der Kranken- und Pflegekassen u.a. mehr auf die Eigenverantwortung (§ 1 SGB V) abzustellen. Bekanntlich sind gesundheitsförderliche Maßnahmen / ein gesunder Lebensstil nachweislich hilfreich, zahlreiche Krankheiten (einschließlich Demenz) und Pflegebedürftigkeit zu vermeiden bzw. weit hinauszuschieben (> … https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... p?f=5&t=78 ). Die Studienlage ist insoweit eindeutig.
Mit 80, 90 oder gar 100 Jahren noch fit sein und mitten im Leben stehen – das wünschen sich die meisten Menschen. Die schlechte Nachricht ist: Wer lange lebt, bleibt selten dauerhaft gesund. Die gute Nachricht: Die Gene bestimmen nur einen Teil des Alterns, vieles haben wir selbst in der Hand. Dazu hat u.a. die BARMER einige Lebensrezepte vorgestellt. … > Longevity: Gesund alt werden >>> https://www.barmer.de/gesundheit-verste ... der%20Hand
Mehr Bewegung, bewusster Medienkonsum, weniger Alkohol, mit dem Rauchen aufhören – gute Vorsätze, die bei vielen zum Jahreswechsel auf der To-Do-Liste stehen. Damit es auch klappt mit der Umsetzung, hat das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) ein paar Tipps präsentiert: … > https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... f=7&t=1505 - Dazu passt: Hirngesund durchs neue Jahr: „Ausreichend Bewegung ist bereits die halbe Miete“ … > https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... 886#p16886
Es sollte auch endlich darüber befunden werden, im Bildungssystem (beginnend in den Grundschulen) ein Fach „Gesundheit“ vorzusehen (… > https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... ?f=5&t=286 ). Denn die Gesundheitskompetenz in der bundesdeutschen Bevölkerung ist ungenügend. … > https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... 4565#p4565 - 84 Prozent der Schulkinder ohne ausreichende Gesundheitskompetenz … > https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... 197#p16197
Meine seit einigen Jahren insoweit an das Bildungsministerium NRW gerichteten Zuschriften haben keine Wirkung erzielen können. Der Bund ist daher aufgefordert, durch geeignete Vorgaben / Einflussnahme für entsprechende Angebote einzutreten.
Der AOK-Bundesverband und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben erst kürzlich ein umfassendes Ranking zum Umsetzungsstand wissenschaftlich empfohlener Präventionsmaßnahmen veröffentlicht. Im neuen Public Health Index (PHI), der künftig alle zwei Jahre aktualisiert werden soll, belegt Deutschland Rang 17 von 18 untersuchten Staaten in Nord- und Zentraleuropa. In der Einzelbetrachtung der vier untersuchten Handlungsfelder landet Deutschland bei Tabak, Alkohol und Ernährung jeweils auf den hinteren Rängen, bei Bewegung im unteren Mittelfeld.
Es muss in diesem Zusammenhang auch endlich darüber befunden werden, dass diejenigen, die ihre Gesundheit nachweislich durch eine ungesunde Lebensführung gefährden, ggfs. in die Verantwortung genommen werden. Es erscheint vertretbar, in solchen Fällen Risikozuschläge zum Krankenversicherungsbeitrag zu erheben.
Wer z.B. durch Fehlernährung bzw. Bewegungsmangel Übergewicht verursacht, wird möglicherweise damit gesundheitlichen Probleme auslösen. Hauptursachen sind oft eine ungesunde Kombination aus kalorienreicher Ernährung und Bewegungsmangel, was zu Folgeerkrankungen wie Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauf-Problemen führen kann.
In Deutschland sind über 60 % der Erwachsenen (Frauen 49%, Männer 64%) übergewichtig, wobei die Zahlen steigen. Erschreckend ist, dass vor allem junge Erwachsene immer dicker werden: Schon jeder dritte Jugendliche ist übergewichtig, mindestens fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen sind sogar fettleibig.
Eigenverantwortung spielt eine wichtige Rolle bei Übergewicht, da Ernährung und Bewegung beeinflusst werden können. Aber Adipositas kann eine komplexe chronische Krankheit sein, die oft durch viele Faktoren (Genetik, Psyche, Umfeld) entsteht, nicht nur durch "falsche" Entscheidungen. Betroffene brauchen im Krankheitsfall Unterstützung, Verständnis und müssen Stigmatisierung überwinden, um die Kontrolle zu übernehmen und gesündere Entscheidungen treffen zu können. Es geht um eine Balance zwischen Selbstverantwortung, Aufklärung und gesellschaftlicher Unterstützung.
Überlegenswert ist zur Entlastung des Gesundheitssystem auch, wie die Zahl der Arztbesuche, die sich in Deutschland auf einem Rekordhoch befinden, reduziert werden können. Dabei muss auch die Krankenhausnotfallversorgung, mit zahlreichen Patienten, die dort nicht hingehören, in den Blick genommen werden. Zudem muss den Sicherheitsanforderungen in der Notfallversorgung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Es wird zunehmend von Aggressionen gegen das tätig werdende Personal berichtet.
Kein Verständnis besteht dafür, dass künftig auch bei den niedergelassenen Ärzten gespart werden soll, sagt KBV-Vorstand Andreas Gassen. Einsparpotenzial sieht er aber z.B. in der Streichung von Homöopathie und Gesundheits-Apps als Kassenleistung. Auch 10 Euro Praxisgebühr pro Quartal hält der KBV-Chef für zumutbar.
In Deutschland leiden über die Hälfte der Erwachsenen (53,7 % im Jahr 2024) an einer chronischen Krankheit oder einem lang andauernden Gesundheitsproblem, wobei der Anteil mit dem Alter steigt; außerdem gibt es Millionen Menschen mit seltenen Erkrankungen (ca. 4 Mio.) und hohen Zahlen bei Volkskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden oder psychischen Störungen. … > https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... f=5&t=1508 – Es ist nicht verkehrt, darüber nachzudenken, was diese Daten für die Entwicklung der Gesundheitsversorgung bedeuten und wie darauf zu reagieren ist.
Es stellt sich bei diesen statischen Daten u.a. die Frage, ob und inwieweit unser Gesundheitssystem, die Arzneimittelversorgung eingeschlossen, zunehmend bemüht ist, jedwede Gelegenheit zu nutzen, um den Menschen möglichst oft irgendeine Krankheit zuzuordnen. So gesehen, geht es möglicherweise darum, das Medizin- und Pharmasystem rentierlich zu gestalten.
Der Kanzleramtschef Thorsten Frei sieht (laut NGZ-Bericht vom 27.12.2025) die Notwendigkeit, Leistungen im Gesundheitssystem abzubauen. Frei weiter: „Klar ist auch, dass manche Leistungen entfallen müssen, um das Gesundheitssystem günstiger zu machen, was in anderen Ländern auch funktioniert. Wir werden deshalb nicht kränker.“ Deutschland habe, so heißt es weiter, das teuerste Gesundheitssystem der Welt, die Bevölkerung sei aber nicht überdurchschnittlich gesund. Welche Leistungen gestrichen werden sollten, sagte Frei nicht. – Genau damit ist aber die Problematik von Reformen angedeutet. Möglicherweise können aber durch strukturelle Maßnahmen bei Ärzten, Apotheken, Kliniken und Krankenkassen Kosten in Milliardenhöhe eingespart werden. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Arzneimittelpreise verglichen mit anderen Ländern viel zu hoch sind und Absenkung dringend geboten erscheint.
Es darf auch darüber nachgedacht werden, die nahezu 100 Kranken- und Pflegekassen aufzulösen und insoweit mit einigen wenigen Dienstleistern den entsprechenden Leistungsbedarf der Versicherten abzudecken. Durch eine solche Reform könnten jährlich viele Milliarden Euro eingespart werden. Weiter könnte erwogen werden, die Medizinischen Dienste in Bund und Ländern auf den Prüfstand zu stellen und zu erwägen, Aufsichts- und Prüfdienste an einer oder weniger Stellen zusammen zu fassen. Dabei könnte den Kommunen eine vorrangige Aufgabenstellung zugedacht werden.
Nicht zuletzt muss es auch darum gehen, die Krankenkassen von rd. 10 Milliarden Euro /Jahr zu entlasten, die diese für Bürgergeldempfänger bzw. Grundsicherungsempfänger aufwenden müssen. Es muss überhaupt darum gehen, mit den Finanzmitteln im Gesundheitsgesundheitssystem effizienter umzugehen. Es muss auf allen Seiten mehr Kostenbewusstsein entwickelt werden.
Im Übrigen erscheint es überfällig, Steuererhöhungen für Rauchen, Alkohol und Zuckerwaren umzusetzen. Dort, wo es u.a. mit Blick auf Gesundheitsrisiken (z.B. Tätowierungen > https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... 118#p16118 – gefahrenträchtige Sportarten) kommen kann, müssen ggf. einschränkende staatliche Maßnahmen erwogen werden.
Tatsache ist: Wer sich zeitgerecht um Prävention kümmert, verhindert eher Krankheit und Pflegebedürftigkeit und ermöglicht damit für eine längere Lebensphase gute Lebensbedingungen.
Bei all dem ist zu berücksichtigen, dass die deutsche Bevölkerung nach den neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes umfänglicher altert als dies bisher angenommen wurde (>>> https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... 694#p16694 ). Es wurde daher noch schwieriger werden, Pflegeaufwand und Gesundheitskosten zu stemmen. Dem muss zu Vermeidung einer dramatischen Unterversorgung bei Pflege und Krankheit schnellstmöglich Rechnung getragen.
Die Zeitschrift „care konkret“ befasst sich in ihrer Ausgabe vom 02.01.2026 in vielfältiger Weise mit der notleidenden pflegerischen Versorgung in Deutschland und bringt es in einem Beitrag von Thomas Knieling, Bundesgeschäftsführer beim Verband Deutscher Alten- Behindertenhilfe, mit dem Titel „Was kommt 2026 auf die Pflege zu?“ wie folgt auf den Punkt:
„Pflege ist keine Randaufgabe – sie ist eine zentrale gesellschaftliche Zukunftsfrage. Gute Pflege braucht mehr als wohlklingende Reformversprechen. Sie braucht Verlässlichkeit, Mut und politische Konsequenzen, sodass die professionelle pflegerische Versorgung gewährleistet werden kann – für alle.“
Zusammenfassend sollte bezüglich einer Pflege- und Gesundheitsreform bedacht werden:
• Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung von Krankheit und Pflegebedürftigkeit oder deren Hinausschiebung müssen im Vordergrund der Bemühungen stehen. Dabei sollte eindeutig auf die Eigenverantwortung abgestellt werden. Insoweit gibt es offensichtlich keine Erkenntnis-, sondern eher nur Umsetzungsprobleme!
• Für diejenigen Sozialversicherten, die sich (grob) fahrlässig risikoreich verhalten, z.B. durch Rauchen, Alkohol, Fehlernährung, sollten Risikozuschläge eingeführt werden. – Im Übrigen muss über eine Reduzierung der Arztkontakte nachgedacht werden. Deutschland ist offensichtlich Weltmeister beim Aufsuchen von Arztpraxen.
• Bei der Beurteilung von Pflegebedürftigkeit sollte nicht jede kleine Einschränkung zu Leistungsansprüchen führen. Die Pflegegradeinstufungsregeln gehören daher auf den Prüfstand.
• Soweit eine Pflegebedürftigkeit mit wirklichem Hilfebedarf anzunehmen ist, sollten vorrangig Unterstützungsleistungen greifen, die ein möglichst langes Verbleiben in der häuslichen Umgebung ermöglichen. Dabei sollten in den Kommunen Netzwerke (Quartiershilfen) geschaffen, die schnell und effektiv den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen beraten und helfen können. Dies alles muss unbürokratisch, unkompliziert, gestaltet werden.
• Für unverhofft auftretende Pflegebedürftigkeit sollte nahe bei den Menschen ein Pflegenotruf eingerichtet werden. Dieser könnte z.B. Pflegediensten oder Heimen installiert werden (mit wechselnden Zuständigkeiten).
• Ambulante Pflegedienste und stationäre Pflegeeinrichtungen sollten durch entsprechende kommunale Planung im Zusammenwirken mit den Pflegekassen in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. Für einen Heimplatz sollten vorrangig diejenigen Personen in Betracht kommen, bei den Heimpflegebedürftigkeit vorliegt.
• Es muss endlich durch eine entsprechende Einwanderungspolitik gewährleistet werden, dass integrationsbereite und ausreichend gebildete Personen für die Pflege zur Verfügung stehen. Diesbezüglich auf die illegale Migration abzustellen, ist ein Irrweg.
• Es muss auch berücksichtigt werden, dass in der Pflege umfassend Fachlichkeit mit einer mindestens 3jährigen Qualifizierung gefordert ist. Folgerichtig können Personen mit geringerer Ausbildung, oder im Zweifel nur kurz angelernt, nur ergänzend eingesetzt werden. – Pflegemängel müssen durch ausreichende Fachlichkeit vermieden werden! – Das Festhalten an einer Fachkraftquote von ca. 50% in Pflegeeinrichtungen erscheint alternativlos.
• Neuerdings wird in vielfältiger Weise über den Einsatz von KI und Robotik in der Pflege gesprochen. Dazu ergibt sich, dass mit solchen Neuerungen keine menschenwürdige Pflege zu gewährleisten ist. Technische Hilfsmittel können wohl nur im Bereich der Dokumentation als sinnvoll erachtet werden.
• Bezüglich der Errichtung und dem Tätigkeitwerden von Pflegekammern sollten die Verantwortlichen noch einmal gründlich nachdenken. Es gibt bei den Pflegekräften vermehrt Ablehnung gegen solche Einrichtungen.
• Die finanziellen Aufwendungen der Pflege müssen so gestaltet werden, dass sie die notwendigen Dienstleistungen in angemessener Weise abdecken. Komplizierte und für Laien kaum durchschaubare Finanzierungsmodalitäten sollten abgeschafft werden.
• Die Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Eigenleistungen in der Heimpflege (z.Zt. bis zu 4.000 Euro/Monat) müssen durch Haushaltsmittel des Bundes deutlich reduziert werden. Eine Verarmung bei längerer Pflegebedürftigkeit muss ausgeschlossen werden.
• Bei allen aktuellen Bemühungen, die gesundheitliche und pflegerische Versorgung zu verbessern, sollte den Beteiligten klar sein, dass die Vorschläge im „Zukunftspakt Pflege“ völlig unzureichend sind. Bei einer Umsetzung verschiedener Vorschläge alles noch komplizierter und für die von Krankheit und Pflegebedürftigkeit betroffenen Menschen nicht mehr durchschaubar.
• Über 500 verschiedene Sozialleistungen in Deutschland … > https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... f=5&t=1447 – Es erscheint dringend geboten, die angebotenen Leistungen zu überdenken bzw. zu reformieren. Die wirklich Bedürftigen müssen leicht erkennen können, was ihnen ggf. zusteht. Im Rahmen der überfälligen Reformen im Gesundheits- und Pflegesystem sollte es eine Neuordnung geben.
• Man darf über das Totalversagen der mit der Pflege und dem Gesundheitswesen befassten Politiker maßlos enttäuscht sein. Eine Besserung ist nicht erkennbar. Offensichtlich gibt es keine wirklichen Konzepte für die notwendigen Reformschritte. Reformerwägungen irgendwelchen Kommissionen zu überlassen, zeugt von der Unfähigkeit der amtierenden Personen. Es sollte auch endlich allen Beteiligten klar werden, dass eine halbwegs brauchbare Sanierung der Pflege viele Milliarden Euro erfordert. Und wer nicht bereit ist, diese Finanzmittel in die Hand zu nehmen, der sollte auch aufhören, den Bundesbürgerinnen und Bürgern irgendwelche Verbesserungen vorzugaukeln (… > https://www.wernerschell.de > https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... f=4&t=1452 ). Siehe auch … > DAK-Report: Pflegesystem steht am Kipppunkt … > https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... f=5&t=1449
• Die von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk und vielen anderen Kennern der Szene beschriebe Pflegenot wird alsbald katastrophale Formen annehmen. Prof. Rothgang, Gesundheitsökonom, der seit einiger Zeit für Krankenkassen und Ministerien mit vielfältigen pflegerechtlichen Fragen befasst ist, auch im Zusammenhang mit einschlägigen Pflegereports, formulierte es bereits am 17.11.2017 in CAREkonkret wie folgt:
"Wir haben jetzt schon einen Notstand – aber
das ist nichts im Vergleich zu dem, was kommt“.
In ähnlicher Weise äußerten sich auch andere namhafte Pflegewissenschaftlicher, z.B. Prof. Dr. Thomas Klie.
Mit freundlichen Grüßen
Werner Schell
Mein Engagement – Erläuterungen bei YouTube … > https://www.youtube.com/watch?v=GYGxFhE_GcI&t=51s
Der Pflegenotstand war bereits Thema beim Pflegetreff in Neuss am 13.05.2014 – Es wird über den Treff auch mit einigen Videos informiert >>> https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... f=4&t=1513
+++
Zukunftsfähigkeit des Sozialstaates durch generationsgerechte Reformen sichern!
Markus Lanz diskutierte am 18.12.2025 mit kompetenten Gästen über die Zukunftsfähigkeit des Sozialstaates, die gesundheitspolitischen Herausforderungen sowie über den Generationenkonflikt und die demografische Entwicklung in Deutschland (Video: 75 Min. - verfügbar bis 18.12.2027). … > https://www.zdf.de/play/talk/markus-lan ... r-2025-100 - Die klare Botschaft lautet: Der Reformbedarf ist immens. Zeitgerechte Korrekturen sind offensichtlich ausgeblieben und aktuell sind keine wirksamen politischen Aktivitäten in Sicht, die eine generationsgerechte Sicherung des Sozialstaates dauerhaft gewährleisten können. Man muss mehr als besorgt sein! – Zur pflegerischen Versorgung wurden von Pro Pflege- Selbsthilfenetzwerk wiederholt Handlungsempfehlungen vorgestellt, wie angesichts der zunehmenden Zahl pflegebedürftiger Menschen eine menschenwürdige Versorgung gewährleistet werden kann (siehe z.B. > https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... f=5&t=1515 ).