Pflegesystem vor dem Kollaps - Geeignete Reformen sind nicht in Sicht

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Pflegesystem vor dem Kollaps - Geeignete Reformen sind nicht in Sicht

Beitrag von WernerSchell » 06.11.2025, 07:22

Pflegesystem vor dem Kollaps - Geeignete Reformen sind nicht in Sicht. - Das Bundesgesundheitsministerium - und andere - verbreiten nun Nachrichten (Sprechblasen), wonach es im Pflegesystem wirkungsvolle Verbesserungen geben soll. Dazu ergibt sich:

Menschenwürdige Pflege mehrere Bilder 23082021.PNG
Menschenwürdige Pflege mehrere Bilder 23082021.PNG (1.7 MiB) 903 mal betrachtet


Sämtliche Bundesregierungen der letzten 20 Jahre haben immer mal kleine Reförmchen bei der Pflegeversicherung in Gang gebracht. Geholfen hat es nicht, den vielfach beschriebenen Pflegenotstand abzuwenden; im Gegenteil, es ist alles schlimmer geworden und eine Pflegekatastrophe ist wohl nicht mehr abzuwenden. Und jetzt soll wieder an kleinen Schräubchen gedreht werden. Nein, das wird nichts. Die Pflegekatastrophe werden im Wesentlichen die Babyboomer zu spüren bekommen. - Ich habe über 20 Jahre mit Bundes- und Landesministern, Pflegebeauftragten und sonstigen Experten u.a. bei über 30 Pflegetreffs diskutiert und zahlreiche Handlungsempfehlungen, auch mittels schriftlicher Statements, präsentiert. Dies alles war u.a. gestützt auf eine über 40 Jahre lange Lehrtätigkeit an Kranken- und Altenpflegeschulen. Im Übrigen haben mir regelmäßige Besuche in Pflegeheimen und auf Krankenstationen die Betreuungssituationen und Fehlentwicklungen verdeutlicht. - Sämtliche Bundesregierungen der letzten 25 Jahre haben immer mal kleine Reförmchen bei der Pflegeversicherung in Gang gebracht. Geholfen hat es aber nicht, den Pflegenotstand abzuwenden; im Gegenteil, es ist alles schlimmer geworden. Und jetzt soll wieder an kleinen Schräubchen gedreht werden. Nein, das wird nichts. - Ich bin über das Totalversagen der mit der Pflege und dem Gesundheitswesen befassten Politiker maßlos enttäuscht und sehe zur Zeit keine Besserung. Offensichtlich gibt es keine wirklichen Konzepte für die notwendigen Reformschritte. Reformerwägungen irgendwelchen Kommissionen zu überlassen, zeugt von der Unfähigkeit der zur Zeit amtierenden Personen. Es sollte auch endlich allen Beteiligten klar werden, dass eine halbwegs brauchbare Sanierung der Pflege viele Milliarden Euro erfordert. Und wer nicht bereit ist, diese Finanzmittel in die Hand zu nehmen, der sollte auch aufhören, den Bundesbürgerinnen und Bürgern irgendwelche Verbesserungen vorzugaukeln. – Werner Schell – https://www.wernerschell.de

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Die Lage in der Pflege bleibt angespannt

Beitrag von WernerSchell » 27.11.2025, 08:34

Die Lage in der Pflege bleibt angespannt: Aus einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Sozialverbands Deutschland (SoVD) geht hervor, dass 64,6 Prozent der Menschen mit einer schlechten Versorgung im Pflegefall rechnen, während nur rund jeder Zehnte (10,2 Prozent) eine gute Pflege erwartet. Besonders pessimistisch zeigen sich Frauen (70,6 Prozent) und die 40- bis 49-Jährigen (79,7 Prozent). Dieses Ergebnis offenbare einen massiven Vertrauensverlust gegenüber der Pflegepolitik, so SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. "Über Jahre hinweg wurden notwendige Reformen verschleppt, während immer neue Sparvorgaben diskutiert wurden“, sagte Engelmeier. Laut Befragung spricht sich eine Mehrheit der Deutschen für eine gemeinsame Pflegeversicherung, in die auch Beamte und Selbstständige einzahlen, aus.
Quelle: PKV-Newsletter vom 27.11.2025

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WIdO e-Paper "Pflegebedürftigkeit in Deutschland

Beitrag von WernerSchell » 16.12.2025, 16:14

WIdO e-Paper "Pflegebedürftigkeit in Deutschland - Transparenz durch Routinedaten 2025"
Pressemitteilung vom 16.12.2025


Routinedatenbasierte Transparenz zur Pflegebedürftigkeit in Deutschland – mit regionalem Blick und über die Langzeitpflege hinaus

Mit dem WIdO e-Paper „Pflegebedürftigkeit in Deutschland. Transparenz durch Routinedaten 2025“ liefert das WIdO ein ausführliches Bild zu Stand und Entwicklung der Pflegebedürftigkeit sowie der gesundheitlichen Versorgung der Pflegebedürftigen in Deutschland. Die Analysen basieren auf GKV-standardisierten AOK-Daten. Sie zeigen einerseits Prävalenz, Verläufe und Versorgungsformen der Pflege. Andererseits präsentiert das WIdO e-Paper Kennzahlen zur gesundheitlichen Versorgung der Pflegebedürftigen, allen voran zur Inanspruchnahme von ambulanten ärztlichen und stationären Leistungen, Polymedikation und Verordnungen von PRISCUS-Wirkstoffen und Psychopharmaka. Dabei sind diese Ergebnisse der Versorgung von Nicht-Pflegebedürftigen gleichen Alters gegenübergestellt, differenziert nach Schwere der Pflegebedürftigkeit und Versorgungssetting und bei spezifischen Analysen zudem kartographiert und als Zeitreihe zu betrachten.

Im Jahr 2023 lebten 86,2 % der Pflegebedürftigen im ambulanten Setting, alle anderen im Pflegeheim, d.h. in der vollstationären Dauerpflege. Der Anteil der ambulant Gepflegten stieg damit seit 2019 um rund 5 Prozentpunkte (Amtliche Statistik PG2). Das WIdO e-Paper „Pflegebedürftigkeit in Deutschland“ zeigt für die Gruppe der ambulant Gepflegten (exklusive Pflegegrad 1) deutlich: weitere Unterstützungsleistungen nach SGB XI nehmen die Personen, die ausschließlich Pflegegeld beziehen, wesentlich seltener in Anspruch als jene, die einen Pflegedienst in die Versorgung einbinden (Sach- oder Kombinationsleistungsbezug). Im Jahr 2023 nutzten mehr als die Hälfte der Pflegegeldempfangenden (56,8 %) keine weiteren ambulanten Unterstützungs- und Entlastungsleistungen. In Pflegehaushalten mit Einbindung eines ambulanten Pflegedienstes (Sach- oder Kombinationsleistung) bezogen drei Viertel (76,2 %) und damit deutlich mehr Menschen ergänzende Unterstützungsleistungen. Dass diese Inanspruchnahme auch regional deutlich variiert, zeigt der Blick auf die kartographische Verteilung (siehe Abbildung) für die Verhinderungspflege, Tages- und Nacht- sowie Kurzzeitpflege bei ambulant Gepflegten.

Die Versorgungsrealität von Pflegebedürftigen kennzeichnet dabei wesentlich mehr als die Langzeitpflege und so liefert das WIdO e-Paper ebenso umfangreiche Ergebnisse zur Versorgung nach SGB V. Es zeigt: fast die Hälfte aller Krankenhaustage (49,3 %) entfiel 2023 auf pflegebedürftige Patientinnen und Patienten. Die Hospitalisierungsraten der Pflegebedürftigen unterschieden sich dabei nach Versorgungsform. Ein Beispiel: Ein Drittel (39,2 %) der Menschen mit Pflegegrad 4 und 5, die ausschließlich Pflegegeld beziehen, wurde im Quartal mindestens einmal im Krankenhaus versorgt. Demgegenüber war die Hälfte der Pflegebedürftigen mit ambulantem Pflegedienst und gleicher Pflegeschwere mindestens einmal im Quartal hospitalisiert (50,4 %). Von den im Pflegeheim versorgten Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 4 und 5 betraf dies 40 %.


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Die Online-Publikation zur Pflegebedürftigkeit in Deutschland steht auf der Website des WIdO zum kostenlosen Download bereit: zum Bericht>> https://www.wido.de/fileadmin/Dateien/D ... 122025.pdf

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Pflegefachpersonalmangel verschlechtert Versorgung – Studienlage seit Jahren eindeutig

Beitrag von WernerSchell » 18.01.2026, 07:21

Deutscher Pflegerat e.V. (DPR)
Bundesarbeitsgemeinschaft Pflege- und Hebammenwesen

PRESSEMELDUNG - 15. Januar 2026, Nr. 02/2026


Pflegefachpersonalmangel verschlechtert Versorgung – Studienlage seit Jahren eindeutig
Deutscher Pflegerat: Gute Arbeitsbedingungen und Qualifikation sind entscheidend für Pflegequalität

Pflege keiner geht hin.jpg
Pflege keiner geht hin.jpg (77.73 KiB) 189 mal betrachtet

Die aktuelle wissenschaftliche Studienlage bestätigt die langjährigen Forderungen des Deutschen Pflegerats (DPR): Wo Pflegefachpersonen fehlen oder nicht ausreichend qualifiziert sind, verschlechtern sich Versorgung und Pflegequalität. Dies mit messbaren Folgen für Krankheitshäufigkeit (Morbidität) und Sterblichkeit (Mortalität).

Eine aktuelle Studie des ZEW Mannheim und des ifo Instituts zur Grenzregion zwischen Deutschland und der Schweiz zeigt dies deutlich. Die Analyse basiert auf Daten von 2006 bis 2017. In diesem Zeitraum führte die Abwanderung von Pflegefachpersonen aufgrund besserer Bezahlung und Arbeitsbedingungen zu einem Rückgang des Pflegefachpersonals in grenznahen deutschen Kliniken um rund zwölf Prozent. In der Folge stieg dort die Krankenhaussterblichkeit um 4,4 Prozent, besondere bei älteren Menschen und Patient:innen in akuten und kritischen Notfallsituationen. Auch die Lebenserwartung der Bevölkerung sank messbar.

„Diese Ergebnisse bestätigen, was die internationale Pflegeforschung seit über 20 Jahren zeigt“, erklärt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats. Große internationale Studien, unter anderem aus dem RN4CAST-Forschungsprogramm, belegen kontinuierlich: Je mehr Patient:innen eine Pflegefachperson versorgen muss, desto höher ist das Risiko für Komplikationen und Todesfälle. Jeder zusätzliche Patient pro Pflegefachperson erhöht das Sterberisiko um etwa 7 Prozent. Umgekehrt senkt ein höherer Anteil akademisch qualifizierter Pflegefachpersonen mit ausgewiesener Expertise die Sterblichkeit signifikant.

Auch für Deutschland liegen diese Erkenntnisse seit Langem vor. Ein Gutachten des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenschaft der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zeigt 2016, dass eine bessere Pflegepersonalausstattung mit geringerer Mortalität, weniger Komplikationen und höherer Versorgungsqualität einhergeht.

Die Studie zur Grenzregion macht zugleich sichtbar, warum Pflegefachpersonen abwandern: „Wenn Bezahlung, Rahmen- und Arbeitsbedingungen und berufliche Perspektiven stimmen, sind Pflegefachpersonen bereit, auch über Ländergrenzen hinweg zu wechseln“, so Vogler. Das hat unmittelbare Folgen für die Versorgung in Deutschland.

Für den Deutschen Pflegerat ist klar: Dringend notwendig ist endlich die konsequente Umsetzung dessen, was seit Jahren bekannt ist – verlässliche bedarfsgerechte Personalausstattung, gute Arbeitsbedingungen, durchlässige Bildungswege und der Ausbau pflegerischer Studiengänge zur Qualifizierung der Pflegefachpersonen in der direkten Versorgung. „Wir verlieren Pflegefachpersonen nicht nur durch den demografischen Wandel, sondern auch, weil sie bessere Bedingungen suchen. Das ist politisch gestaltbar“, betont Vogler.

Weitere Informationen:
Download Discussion Paper. > https://www.zew.de/fileadmin/FTP/dp/dp24071.pdf The Deadly Consequences of Labor Scarcity: Evidence from Hospitals, ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Ifo Institut, LMU München, IAB Nürnberg, Oliver Schlenker (2025) (Homepage ZEW)
Download Studie (RN4CAST). > https://www.thelancet.com/journals/lanc ... 8/abstract Nurse staffing and education and hospital mortality in nine European countries: a retrospective observational study, Aiken, L.H., Sloane, D.M., Bruyneel, L., Van den Heede, K., Griffiths, P., Busse, R. et al. (2014) (Homepage The Lancet)
Download Gutachten. > https://www.bundesgesundheitsministeriu ... _Meyer.pdf Auswirkungen der Pflegekapazität auf die Versorgungs- und Ergebnisqualität, Prof. Dr. phil. Gabriele Meyer, Medizinische Fakultät, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, 2016 (Homepage Bundesgesundheitsministerium)


Download Pressemitteilung > https://deutscher-pflegerat.de/professi ... tteilungen

Ansprechpartner:innen:
Christine Vogler
Präsidentin des Deutschen Pflegerats

Michael Schulz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0151 650 617 86 | E-Mail: m.schulz@deutscher-pflegerat.de

Deutscher Pflegerat e.V. (DPR)
Bundesarbeitsgemeinschaft Pflege- und Hebammenwesen
Alt-Moabit 91, 10559 Berlin

Telefon: (030) 398 77 303 | Telefax: (030) 398 77 304
E-Mail: presse@deutscher-pflegerat.de | Internet: www.deutscher-pflegerat.de
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Der Deutsche Pflegerat als Dachverband vertritt die geeinten Interessen der Berufsverbände und nicht die einzelnen Partikularinteressen der Verbände. Unterschiedliche Positionen und Meinungen einzelner Verbände können sichtbar sein und die Vielfalt der pflegerischen Profession widerspiegeln. Dieses berührt nicht die gemeinsamen Ziele und Intentionen des Deutschen Pflegerats.

Zum Deutschen Pflegerat e.V. (DPR):
Der Deutsche Pflegerat e.V. wurde 1998 gegründet, um die Positionen der Pflegeorganisationen einheitlich darzustellen und deren politische Arbeit zu koordinieren. Darüber hinaus fördert der Zusammenschluss aus 22 Verbänden die berufliche Selbstverwaltung. Als Bundesarbeitsgemeinschaft des Pflege- und Hebammenwesens und Partner der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen vertritt der Deutsche Pflegerat heute die insgesamt 1,7 Millionen Beschäftigten der Pflege. Über die berufliche Interessensvertretung hinaus ist der Einsatz für eine nachhaltige, qualitätsorientierte Versorgung der Bevölkerung oberstes Anliegen des Deutschen Pflegerats.
Präsidentin des Deutschen Pflegerats ist Christine Vogler. Vize-Präsidentinnen sind Jana Luntz und Pascale Hilberger-Kirlum.

Mitgliedsverbände:
Arbeitsgemeinschaft christlicher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen e.V. (ADS); AnbieterVerband qualitätsorientierter Gesundheitspflegeeinrichtungen e.V. (AVG); Bundes-Dekanekonferenz Pflegewissenschaft gem. e.V.; Bundesverband Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe e.V. (BLGS); Bundesverband Geriatrie e.V. (BVG); Bundesverband Pflegemanagement e.V.; Deutscher Hebammenverband e.V. (DHV); Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland e.V. (BeKD); Bundesfachvereinigung Leitender Krankenpflegepersonen der Psychiatrie e.V. (BFLK); Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK); Deutsche Fachgesellschaft Psychiatrische Pflege e.V. (DFPP); Deutsche Gesellschaft für Endoskopiefachberufe e.V. (DEGEA); Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste e.V. (DGF); Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP); Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V. (DGP); Deutscher Pflegeverband e.V. (DPV); Deutsches Netzwerk Advanced Practice Nursing & Advanced Nursing Practice (DNAPN) e.V.; Initiative Chronische Wunden e.V. (ICW); Katholischer Pflegeverband e.V.; Verband der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz e.V. (VdS); Verband für Anthroposophische Pflege e.V. (VfAP) und Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands e.V. (VPU).

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Pflegenotstand auflösen - Pflegekatastrophe vermeiden!

Beitrag von WernerSchell » 24.01.2026, 16:46

Pflegenotstand auflösen - Pflegekatastrophe vermeiden!
Pflegebedürftigkeit wird zum Armutsrisiko - Entlastungen der betroffenen Menschen sind überfällig


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Im hohen Alter und bei schwerer Krankheit bedeutet der Umzug in ein Pflegeheim für die Betroffenen einen tiefen und meist traurigen Einschnitt. Der Auszug aus dem vertrauten Zuhause wiegt schon schwer genug. Für viele wird auch der Blick auf den Kontoauszug zum Trauerspiel. Der hohe Eigenanteil lässt die Ersparnisse eines langen Arbeitslebens schnell schwinden. Die Höhe der monatlichen Abbuchung können viele Betroffene angesichts des vielleicht schlichten Zimmers mit Bett, Schrank, Fernseher und kleiner Sitzgruppe auf den ersten Blick auch nicht nachvollziehen. Zum neuen Jahr stieg die durchschnittliche Summe für die ersten zwölf Monate in der Unterkunft auf 3582 Euro – eine Steigerung von 270 Euro. Antje Höning erklärt in der NGZ /RP am 23.01.2026 die aktuelle Entwicklung und berichtet, wie die Verbraucherzentrale, Verbände und das Gesundheitsministerium die Lage einschätzen (> https://newsletter.rp-online.de/d?p0dd6 ... 000lqt0hg4 ). Dass Betroffene grundsätzlich auf ihr Erspartes zurückgreifen müssen, hält Frau Höning für unausweichlich. „So hart es im Einzelfall ist – es ist zumutbar, dass Pflegebedürftige für die Heimkosten auch ihr Vermögen einsetzen. Es ist nicht die Aufgabe der Beitragszahler, Erbschaften für deren Kinder zu sichern“, schreibt sie in ihrem Kommentar (> https://newsletter.rp-online.de/d?p0dd6 ... 000hpuqq74 ).

In dem Beitrag der NGZ / RP vom 23.01.2026 (Verfasserin: Antja Höning) werden speziell die Pflegeverhältnisse in Nordrhein-Westfalen angesprochen („Pflegeheime in NRW werden noch teurer“ – „In NRW 1,4 Millionen Pflegebedürftige“). Folgerichtig kommt auch der Gesundheitsminister von NRW, Karl-Josef Laumann, zu Wort. Danach setzt NRW auf die Bundes-Pflegereform. Minister Laumann fordert, die häusliche Pflege zu stärken. Sonst sei das System weder steuer- noch finanzierbar. – Dazu ergibt sich: Es ist richtig, die häusliche Pflege zu stärken. Aber Minister Laumann hat die von seiner Vorgängerin, Frau Barbara Steffens, massiv geförderten / unterstützten Quartiershilfen nicht mehr fortgeführt und andere Akzente gesetzt, die für pflegebedürftige Menschen bzw. die Angehörigen weniger hilfreich sind. Die unmittelbaren Hilfen vor Ort, nahe bei den Menschen, wurden weniger. Jetzt von einer Stärkung der häuslichen Pflege zu sprechen, müsste eigentlich bedeuten, die unterstützenden Quartiershilfen nahe bei den Menschen wieder intensiver in den Blick zu nehmen. Dazu müsste wohl auch die Gestaltungen von lokalen Pflegenotrufen gehören. Das Land NRW ist gefordert! – Natürlich auch die anderen Länder.

Zum Thema pflegerische Versorgung wird seit geraumer Zeit umfänglich berichtet; Reformen wurden angemahnt. Aktuelle Informationen sind in dem Beitrag „Pflegebedürftige in Pflegeheimen müssen erneut mehr aus eigener Tasche bezahlen“ nachlesbar (> https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... f=4&t=1533 ). Angesichts der sich seit längerer Zeit verschlechternden pflegerischen Versorgung wurde am 06.01.2026 erneut das Bundesgesundheitsministerium u.a. angeschrieben und mit Handlungsempfehlungen zu einer grundlegenden Reform des Pflegesystems aufgefordert. Dazu gab es im Netz die nachfolgenden Kurzhinweise (mit Info zum abrufbaren Brieftext): „Pflegenotstand auflösen - Pflegekatastrophe vermeiden!“ – Mit diesem Tenor habe ich mich am 06.01.2026 in einem umfänglichen Schreiben an das Bundesgesundheitsministerium, die Pflegebevollmächtige der Bundesregierung, den Patientenbeauftragten der Bundesregierung und zahlreiche weitere Adressaten gewandt und nochmals eindringlich auf die seit vielen Jahren bestehenden pflegerischen Versorgungsdefizite aufmerksam gemacht und erneut Handlungsempfehlungen vorgestellt. … > https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... f=5&t=1515 - Mit Sprechblasen und den bislang bekannten politischen Planungen wird es keine hilfreichen Verbesserungen geben können.

Die Nachricht über den Kostenanstieg für Pflege in den Heimen hat verbreitet heftige Reaktionen ausgelöst. Darüber informiert u.a. der PKV-Newsletter vom 23.01.2026 wie folgt: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken verweist auf die Bund-Länder-Arbeitsgruppe und die anstehende Pflegereform, die "für mehr Verlässlichkeit" sorgen müsse. "Gleichzeitig müssen wir die Eigenvorsorge attraktiv gestalten und stärken, denn sie wird weiterhin wesentlicher Bestandteil der Absicherung im Pflegefall bleiben“, so die Ministerin. Je früher die Vorsorge für den Pflegefall mitgedacht werde, desto niedriger sei später die Belastung. Während Paritätischer Gesamtverband und DGB erneut eine Pflegevollversicherung fordern, sprechen sich die Deutsche Stiftung Patientenschutz und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) für eine Deckelung des Eigenanteils aus. Die Länder kämen seit Jahren "ihrer Verantwortung bei der Investitionskostenförderung für Pflegeeinrichtungen nur unzureichend nach", kritisierte PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther. "Das treibt die Eigenanteile der Pflegebedürftigen nach oben. Wer Pflege bezahlbar halten will, muss die Investitionskostenförderung der Länder deutlich erhöhen."
Katrin Staffler, die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, sieht die Länder, aber auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil in der Pflicht. Er sei "gefordert, Möglichkeiten zu finden, beispielsweise die Ausbildungskosten der Pflegefachkräfte über Steuermittel zu bezahlen". Gesundheitsministerin Nina Warken steht vor einem Reformjahr mit großen Erwartungen. In der kommenden Woche wird der Koalitionsausschuss über zentrale Probleme beraten. Ein düstereres Bild zeichnet die Opposition. "Statt die strukturellen Probleme anzugehen, verzögert die Bundesregierung notwendige Reformen durch Kommissionen, kurzsichtige Darlehen und umstrittene Sparpakete“, kritisiert etwa Ates Gürpinar, Linken-Sprecher für Gesundheitsökonomie. Ähnlich sieht das Janosch Dahmen, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen. DKG-Chef Gerald Gaß beobachtet in der Bevölkerung unterdessen eine wachsende Bereitschaft, tiefgreifende Reformen mitzutragen.


Im Forum von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk sind in jüngster Zeit dutzende Beiträge eingestellt worden, die über die sich massiv verschlechternde pflegerische Versorgung informieren, aber auch Handlungsanforderungen aufzeigen. Siehe insoweit
https://www.wernerschell.de/forum/2/viewforum.php?f=4
https://www.wernerschell.de/forum/2/viewforum.php?f=5


Werner Schell

+++

Eigentlich ist die Pflege die Schicksalsfrage der Nation,
weil jeder Bürger früher oder später mal von diesem Thema betroffen ist.
Das ist allerdings eine unbequeme Wahrheit,
die wir als Gesellschaft kollektiv verdrängen.
Und wenn es uns dann doch betrifft, ist es zu spät.

Claus Fussek

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